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Der Test im Test

#Marvin Wolf, Redakteur der ORF-Magazine


Mein Job ist es, für die Konsumentenschutzredaktion Beiträge und Inhalte zu gestalten, und mit diesen letztlich Kund/innen, und das sind wir praktisch alle, zu informieren, zu schützen und mit anwendbaren Fakten und Produktwissen zu versorgen.

Egal ob ich einen Fall über zu hohe Handyrechnungen behandle, das neue Erbrecht erläutere oder Lebensmittel untersuche: der Bürger, die Bürgerin steht im Vordergrund. Ihnen einen Vorteil verschaffen, einen Wissensvorsprung, der sie vor einem Fehler bewahrt, sie z.B. das Internet besser und sicherer nutzen lässt oder ihnen zeigt, was sie jetzt keinesfalls verpassen sollten – genau das versucht die Sendung „konkret“ in jeder Ausgabe. Möglichst praktisch – und eben konkret sollte es sein. Wie ein Werkzeug, ein Schweizermesser, mit verschiedenen Tools für verschiedene Anwendungen. Wenn ich die Sendung also einem Test – wie ich ihn bei anderen Produkten machen würde – unterziehe, dann muss ich die gleichen Fragen beantworten wie bei allen anderen:

Ist das Produkt nützlich?
Der Nutzen des Produkts ist dann gegeben, wenn man die Anforderungen und Erwartungen möglichst vieler Kund/innen erfüllt. Sind die Themen aktuell? Sind die Fachleute up-to-date? Und formulieren sie komplexe Inhalte so, dass am Ende auch die relevanten Fakten hängenbleiben? Anscheinend. Sonst würden die Kund/innen etwas anderes kaufen, in dem Fall: schauen.

Stimmt die Qualität des Produktes?
Das zeigt sich schnell, wenn man das, was man in der Sendung erfährt, auch im Alltag anwendet. Wenn unsere Zuseher/innen im täglichen Leben besser einkaufen, nicht alle Werbeversprechen glauben, mit gutem Gewissen konsumieren können und vor Unterschrift das Kleingedruckte lesen. Nur wenn die Qualität der Information stimmt, funktioniert das auch.

Sind die Sendungen nachhaltig?
„Normale“ Nachrichten sind am nächsten Tag schon „alt“. Und wer liest heute noch die Zeitung von letzter Woche? Tipps zu richtigem Online- Shopping, knifflige Antworten auf Rechtsfragen oder Erläuterungen eines Brancheninsiders, wie man in Urlaubskatalogen zwischen den Zeilen liest, haben oft noch Monate nach der Sendung einen Informations- und damit einen Stellenwert im Leben der Kund/innen.

Wie ist das mit der Konkurrenz?
Nicht nur öffentlich-rechtliche Sender haben die Anziehungskraft von Verbraucherthemen für sich entdeckt. Oft übers gesamte Programm verteilt, in verschiedenen Sendungen platziert, manchmal aber auch klar als eigenständiges Format vermarktet – auch die Kommerziellen wollen Nützliches, praktisch Anwendbares zeigen. Der ORF schützt dabei die Unabhängigkeit der Menschen, die die Fernsehbeiträge gestalten, die die Berichte recherchieren, durch Regulative wie den Verhaltenskodex. Die Gebühren helfen dabei, dass man unabhängig von Werbeeinschaltungen jener ist, deren Produkte man prüft. Das können kommerzielle Medien nicht immer von sich behaupten.

Zum Schluss die Gretchenfrage: Stimmt der Preis?
Gut recherchierte Information ist nicht umsonst. Weder in der Zeitung, noch im Fernsehen und auch nicht im Internet. Die Monatsausgabe der Zeitschrift „Konsument“ kostet fünf Euro. Dafür bekommen Sie circa 52 Seiten. Im ORF bekommt man alleine bei „konkret“ knapp 80 Themen in rund 400 Minuten pro Monat. Für knapp 55 Cent pro Tag. Und vier Fernsehprogramme, 12 Radiosender (inklusive „help!“) sowie Internet und TELETEXT gibt’s noch dazu.

Ich denke: Der Konsumentenschutz im ORF hätte den Produkttest in „konkret“ bestanden.



Public Value Bericht 2017/18