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© ORF/Robert Gokl

Auf die Dosis kommt es an!

Public Value Bericht 2015/16: Dr. Gerald Bachinger – Niederösterreichische Patienten- und Pflegeanwaltschaft




Transparenz ist ein vielschichtiger Begriff, daher greife ich die zwei wichtigsten Aspekte heraus: Durchschaubarkeit einer Einrichtung nach außen und Beiträge einer Einrichtung, dass Abläufe in anderen gesellschaftlichen Bereichen transparent und damit für die Bürger/ innen durchschaubar werden.
Der erste Aspekt ist für ein großes und vielschichtiges Unternehmen wie den ORF ein selbstverständliches Ziel, um den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu legitimieren und diesem gerecht zu werden. Hier nenne ich als Beispiel den ORF-Gesundheitsbeirat, der Entwicklungen und Abläufe im Gesundheits- und Servicebereich des ORF transparent diskutiert, Beiträge von verschiedenen externen Fachexperten aufnimmt und damit Partizipation erst ermöglicht.
Genauer widme ich mich dem zweiten Aspekt, dem Beitrag des ORF im Rahmen seines öffentlich-rechtlichen Auftrages als »Transparenzverstärker« der Gesellschaft; gleichsam als Katalysator, um Transparenzvorgänge zu starten, zu begleiten und anschaulich darzustellen.
Der ORF leistet nämlich, gerade im Bereich Service/ Lebenshilfe, einen täglichen und unverzichtbaren Beitrag zur öffentlich-rechtlichen Medienqualität, denn er setzt zahlreiche Initiativen, die den dichten Schleier der bestehenden Intransparenzen zu lüften helfen. Service/Lebenshilfe/Konsumentenschutz und Gesundheit bieten sich an, um den Bürgerinnen und Bürgern eine verständliche Durchsicht und Erklärbarkeit von Vorgängen zu bieten. Nach meiner persönlichen Wahrnehmung leisten hier vor allem Sendungen wie »heute konkret«, der »Bürgeranwalt«, der »Radiodoktor«, »Bewusst gesund« oder auch die täglichen Journalsendungen in Ö1 wichtige Beiträge.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es oft nur mit Hilfe intensiver Recherchen der Redakteur/innen gelungen ist, versteckte Hintergründe aufzuzeigen, somit transparent und verständlich zu machen. Die aus dem Leben gegriffenen tatsächlichen Erlebnisse von Frau und Herrn Österreicher sind anschaulich aufbereitet und dargestellt, helfen damit vielen Seherinnen und Sehern, Hörerinnen und Hörern und geben ihnen oft den Mut, die eigenen Lebensverhältnisse besser zu verstehen und damit auch zu bewältigen. Mit diesen konkreten Beispielen kann Verständnis, Wissen, Empathie und Information gut übertragen werden und ermöglicht so, selbstverantwortlich die eigenen Lebensverhältnisse anzupacken und zu meistern.
Wie schon eingangs erwähnt, ist es die Dosis, die die richtige Wirkung macht. Der Grat zwischen guter Transparenz, um Verbesserungen zu erreichen, und einem »zur Schau stellen« von Individuen, um sich am Marktplatz der Quoten behaupten zu können, ist schmal. Schutzinteressen der Privatsphäre einzelner Menschen machen es notwendig, dass der Scheinwerfer der Transparenz nicht jeden Winkel lückenlos ausleuchten darf. Dies gilt natürlich nicht für Institutionen. Hier ist vollständige und durchgehende Transparenz unabdingbar. Für die Abwägung »wieviel soll /darf /muss /kann ich zeigen«, ist ein besonderes professionelles Gespür und Sensibilität erforderlich.
Abschließend ist hervorzuheben, dass die Redakteurinnen und Redakteure ein besonderes Engagement auszeichnet, grundsätzliche und gesellschaftlich relevante Themen, wie Transparenz und Bürgerbeteiligung, proaktiv und professionell aufzugreifen.

Der Autor
Gerald Bachinger ist Leiter der Niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwaltschaft.



Public Value Bericht 2017/18