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#kunstjagd: Auf zu neuen Ufern

Public Value Bericht 2015/16: Mag. Siegfried Steinlechner, MA – ORF-TV-Kulturredaktion


Der ORF ist für mich Zeit seines Bestehens eine in den Wurzeln cross- und manchmal transmediale öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Warum? Weil hier von Anfang an medienübergreifend gearbeitet wurde: vom Aktuellen Dienst über die Magazine bis hin zu den diversen Langformaten. Wir haben Theaterstücke verfilmt und als Hörspiele zugänglich gemacht, wir haben große Kulturevents über Wochen und Monate crossmedial begleitet und einiges mehr.

Was wir bis vor wenigen Jahren nicht forciert hatten, ist die strukturelle Abstimmung und Entwicklung medienübergreifenden Storytellings. Das bedeutet, dass wir bis vor kurzem die Möglichkeiten, über unsere Kanäle Themen und Geschichten nonlinear, interaktiv cross- und /oder transmedial zu erzählen, nicht genutzt haben.

Die zunehmende Digitalisierung von allem erodiert die gesamte Medienszene: Radio, Fernsehen und Online sind nicht mehr länger alleine die absoluten Herrscher der medialen Welt. Die Mediatisierung des Lebens bringt mit sich, dass zunehmend Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Medienwelt teilnehmen. Das Aufbrechen des reinen Senderdenkens führt zu einem immer stärker werdenden aktiven Austausch mit unseren Nutzerinnen und Nutzern. Aus passivem Konsum wird zunehmend aktiver Gebrauch!

Und wir müssen neuen Entwicklungen Platz geben. Nebst unserem eigenen Veränderungspotenzial benötigen wir Innovationen, die wir uns zum einen in Kooperationen mit entsprechenden Anbietern, zum anderen durch die zunehmende Ermöglichung der Partizipation aller Bürger/innen ins Programm holen können. Nichtsdestotrotz ist es unerlässlich, dass wir Kernkompetenzen und entsprechende Ressourcen innerhalb des ORF aufbauen. Cross- und Transmedia ist kein Trend: Es ist vielmehr die in vielen Medienbereichen gelebte Realität!

Die #kunstjagd, eine transmediale Spurensuche des Recherche-Start-ups »Follow the Money« und der »gebrueder beetz filmproduktion« in Zusammenarbeit mit ORF, BR, SRF, »Der Standard«, der »SZ« und mit »Deutschlandradio Kultur«, ist ein Beispiel dafür. In den Kernmonaten Mai und Juni 2015 ist es uns gemeinsam mit den anderen Partnern gelungen, mit der Suche nach einem Bildnis, das 1938 über 30 Menschenleben rettete und seit fast acht Jahrzehnten verschwunden war, ein erfolgreiches Projekt umzusetzen. Mit Hilfe von Radio-Podcasts, eines Vimeo-Channels, WhatsApp-Broadcastings, Social Media, Print-Reportagen und einer abschließenden TV-Dokumentation konnten wir Zuschauer/innen, Zuhörer/innen und Leser/innen zum Teil des Recherche-Teams machen.

Das Aufmachen nach innen – die vielfältigen cross- und transmedialen Erzählformen medienübergreifend zu entwickeln und auszuspielen – gepaart mit dem Aufmachen nach außen – Publikum wie externe Anbieter vermehrt einbinden – werden uns neue Möglichkeiten der besten Präsenz unserer Inhalte zu finden ermöglichen. Das ist mehr als notwendig: steht doch mit dem unzähligen Möglichkeiten von 360 Grad und Virtual Reality eine unglaublich vielfältige neue mediale Realität bereits in der Tür.

Der Autor
Siegfried Steinlechner ist Redakteur in der ORF-TV-Kulturredaktion und war maßgeblich am Projekt »#kunstjagd« beteiligt.






Public Value Bericht 2017/18