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© ORF/Christian Stipkovits

5×5=20

Public Value Bericht 2015/16: Mag.a Sabine Bures – FM4


Vor 20 Jahren hat sich eine eingeschworene Gemeinschaft aufgemacht, eine Alternative in die Radiolandschaft zu setzen: FM4 bietet seither ein »anderes« Hörerlebnis. Doch mit dem Aufmachen ist noch lange nicht Schluss, das Ende der Vielfalt ist nicht gekommen - das zeigen die Interviews, die ich mit jenen von FM4 gemacht habe, die seit 20, 15, 10 und 5 Jahren - oder seit eben erst dabei sind.

Die Autorin
Sabine Bures ist Redakteurin bei FM4.

Claudia Czesch
(von Anfang an dabei)

1. FM4 ist für mich …
… die fantastischste Vision eines alternativen Jugendkultur-Radiosenders, die je Realität geworden ist. Ein Zuhause zum Mitnehmen. Ein Kosmos, in dem Neugier und Kreativität das Sagen haben, kritischer Journalismus selbstverständlich ist und »höherer Blödsinn« sich seinen Platz nehmen darf - und das auch noch alles öffentlich-rechtlich.
2. Aufmachen bedeutet für mich …
… die Lebensrealitäten unserer Hörer/innen akzeptieren und nicht auf der bequemen Couch des Vertrauten hängen bleiben. Wir müssen dorthin, wo sich junge Menschen aufhalten, und sie mit unserem Angebot in ihrem Alltag ansprechen. Es gibt kaum junge Menschen, die einen »Radioapparat« besitzen. Abholen können wir sie eher auf digitalen Plattformen, die sie schon nutzen. Oder im »Real Life« bei Festivals und Konzerten, in der Schule oder an ihrem Ausbildungsplatz.
3. Welches FM4-Projekt zeigt das besonders gut?
Die sehr professionell betreute FM4-Facebookseite, die zeigt, dass der »Schmäh« nicht seicht sein muss, um mittlerweile mehr als 184.000 Menschen zu gefallen. Dort transportieren wir sowohl tagesaktuelle FM4-Inhalte, wie auch tagesaktuelles Lebensgefühl. Außerdem ist das Hörer/innenservice auf Facebook der sicher schnellste und unmittelbarste Weg, um mit Hörerinnen und Hörern in Kontakt zu treten.

4. Seitdem du bei FM4 arbeitest, wie hat sich Fm4 entwickelt?
Ungefähr so wie sich ein Wählscheiben-Viertel-Telefon zu einem Smartphone »entwickelt« hat. Seit 1995 hat sich Radio FM4 von einem Teilzeit-Jugendkultursender in der Prä-Digital-Ära zum 24-Stunden-/7-Tage-Player für alle Lebenslagen entwickelt. Das ist auch notwendig, um von unserer Zielgruppe wahrgenommen zu werden.

5. Und wohin wird sich FM4 entwickeln?
Zu einem zeitgemäßen, fantastischen, alternativen Jugendkultur-Radiosender, hoffe ich. Mit State-of-the-Art-Homepage, was Layout, technische Grundlagen, Inhalt und Interaktionsmöglichkeiten betrifft. Radio und Netz werden immer mehr verschmelzen. Das bewegte Bild muss selbstverständlicher Teil von FM4 sein. Abgesehen davon bleibt es hoffentlich: ein Kosmos, in dem Neugier und Kreativität das Sagen haben, kritischer Journalismus selbstverständlich ist und »höherer Blödsinn« sich seinen Platz nehmen darf - und das auch noch alles öffentlich-rechtlich.


Die Autorin
Claudia Czesch ist stellvertretende FM4-Programmchefin und Moderatorin.

Mag.a Martina Bauer
(seit 15 Jahren dabei)

1. FM4 ist für mich …
… der Ort, wo vieles, was sonst keinen Platz hat, ein Zuhause findet. Eine Klammer, die so elastisch ist, dass sie über alle möglichen Enden passt. FM4 ist die Kosmopolitin unter den Radiosendern.
2. Aufmachen bedeutet für mich …
… vor allem: etwas zuzulassen. Im Sinne von Neues hereinlassen, es aktiv hereinholen. Ein Panta Rhei. Das gilt für Menschen wie Ideen, Lebensentwürfe und -weisen, Technik oder Kunst im weitesten und weit offenen Sinn. Ohne Input läuft jedes System Gefahr, allzu selbstreferenziell zu werden - und wahrscheinlich irgendwann abzusterben.
3. Welches FM4-Projekt zeigt das besonders gut?
Das schönste Projekt der letzten Zeit ist wohl die FM4# refugeeswelcome-T-Shirt-Edition. Die große und positive Resonanz auf diese Aktion, die Unterstützungs- und Hilfsbereitschaft der FM4-Hörenden waren wunderbar. Danke.
4. Seitdem du bei FM4 arbeitest, wie hat sich FM4 entwickelt?
Auch wenn es viel strapaziert ist - natürlich ist FM4 erwachsen geworden. Das liegt aber nicht nur an seinen Protagonistinnen, Protagonisten, Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, das liegt auch an der Veränderung der gesamten Medien- und speziell Radiolandschaft. Die Ecken und Kanten von FM4 haben sich mit ihrer Umwelt gerieben, nicht abgeschliffen, angeglichen - und passen jetzt noch besser hinein.
5. Und wohin wird sich FM4 entwickeln?
Dorthin, wo sein Platz ist - und die anderen nicht sind.



Die Autorin
Martina Bauer ist Redakteurin und Creative Producerin.

John Cummins
(seit 10 Jahren dabei)

1. FM4 ist für mich …
… a melting pot that brings together an incredibly diverse range of people and interests. The only pre-requisite for being part of the FM4 community is open mindedness, acceptance and a willingness to challenge orthodoxies, whether it's in regard to music, lifestyle choices or the issues shaping our world.
2. Aufmachen bedeutet für mich …
… reaching out to new people, looking for an alternative view and being open to the changing nature of the world. It's a constant process of testing our assumptions and seeing things from another standpoint.
3. Welches FM4-Projekt zeigt das besonders gut?
The current FM4 project that mostly obviously embodies this principle is Refugees Welcome. It challenges us to be open towards those arriving in Europe and to report about the refugee crisis in an unbiased and critical manner. But I think openness is a cornerstone of everything that FM4 does. It can be seen in the pluralistic structure of our organisation and initiatives such as FM queer, but also through the various »Schwerpunkte«, which encourage the exploration of issues from a range of different angles.
4. Seitdem du bei FM4 arbeitest, wie hat sich FM4 entwickelt?
In the 10 years that I have worked at FM4, change has been driven primarily by technology. Platforms such as social media, podcasts etc. have given us creative new ways of producing content and interacting with the community of listeners. But I think FM4 has also broadened its programming to reflect the increasing complexity of youth culture. It remains primarily music based, but the music is more diverse, and there is a stronger focus on things like writing and the arts, non mainstream sport, gaming, technology, satire and comedy.
5. Und wohin wird sich FM4 entwickeln?
A process of democratisation is currently underway in the media. Journalists can no longer simply talk to their audience but must be prepared to engage in a kind of dialogue. FM4 has always been at the forefront of this interactivity and I think that's likely to continue. Maybe our shows will become more audience driven in the future? With new ways of accessing media content, national borders are becoming less relevant and I think FM4 can expand its reach into other countries. That is why our English programming remains so important!

Der Autor
John Cummins ist News- und Reality Check-Redakteur.

Mag.a Conny Lee
(seit 5 Jahren dabei)

1. FM4 ist für mich …
… mein Fenster zur Welt in meiner Jugend am Land, mein Kompass, was musikalische Trends und Themen betrifft, und der Traumjob, den ich mir, seit ich ein Teenager war, gewünscht habe und den ich heute ausüben darf.
2. Aufmachen bedeutet für mich …
… meine bisherigen Meinungen und Vorstellungen erst einmal wegzupacken, um die Sache mit frischem Blick zu betrachten, offen für neue Perspektiven und mögliche Aspekte, die ich davor nicht sehen konnte. Aufmachen, das ist für mich, so wenig wie möglich als gegeben hinzunehmen oder abzuhaken, sondern stattdessen immer aufs Neue offen zu sein, und das gilt für Meinungen und Gedanken, für Musik, für Geschmäcker, Genres - für so gut wie alles.
3. Welches FM4-Projekt zeigt das besonders gut?
Ein sehr gutes Beispiel dafür ist denke ich der Breakfast Club der FM4 Morningshow, wo schlichtweg jede/r, die/ der etwas Interessantes zu erzählen hat, live in die Show kommen kann. Dadurch hatten wir dort schon alles - von einer Paralympics-Sportlerin, die nebenbei in einem Orchester mit Klangskulpturen Musik macht, bis zum Inder, der für die Liebe mit dem Rad von Indien nach Schweden gefahren ist. Der Breakfast Club erzählt menschliche Geschichten, die für die Hörer/innen interessant oder neu sind und sie hören, dass andere Menschen ganz selbstverständlich ihre Plattform im Radio bekommen, um über das zu sprechen, was sie bewegt.
4. Seitdem du bei FM4 arbeitest, wie hat sich FM4 entwickelt?
Seit ich bei FM4 bin, hat sich so viel verändert! Menschen sind gekommen, andere sind gegangen, Sendungen sind abgeschafft worden, andere eingeführt oder ausprobiert, neue Kanäle und Social-Plattformen sind erschlossen worden und damit einhergehend neue Formen der Kommunikation mit den Hörerinnen und Hörern. Andere Dinge sind gleich geblieben, gewisse Säulen, wenn man so will, wodurch das Grundgefühl, das FM4 sowohl nach außen als auch nach innen vermittelt, bei aller Veränderung nicht weggespült wird.
5. Und wohin wird sich FM4 entwickeln?
FM4 wird, wann immer neue Kanäle sich auftun, diese erforschen und ausprobieren, um nicht stehenzubleiben. FM4 wird nicht aufhören, die Nischen zu bedienen, sei es thematisch oder musikalisch, und dabei immer hellhörig sein für neue Nischen. FM4 wird die Generation, die sich nicht mehr fürs Radiohören interessiert, weil die Musik ohnehin grenzenlos verfügbar und zugänglich ist, trotzdem überzeugen können, weil FM4 eben etwas zu bieten hat, was für die Hörer/innen neu ist, an Musik, an Geschichten, an Berichterstattung.

Die Autorin
Conny Lee ist Moderatorin und Morning-Show-Producerin.

Christoph Sepin
(brand new!)

1. FM4 ist für mich …
… kein simpler Radiosender, kein einfaches Medium, das nebenbei konsumiert wird, sondern ein grundlegender, wichtiger Teil der eigenen Persönlichkeit. Als Hörer/in ein Identifikations- und Verbindungsmerkmal zu anderen und als Mitarbeiter ein Ort der beruflichen Selbstverwirklichung.
2. Aufmachen bedeutet für mich …
… sich anderen Ideen gegenüber zu öffnen, über den Tellerrand zu schauen, andere Meinungen zu hören und davon zu lernen. Und vor allem: Selbstreflexion.
3. Welches FM4-Projekt zeigt das besonders gut?
Für die Kommunikation von der/dem Hörer/in zu der/dem Sender/in ist »FM4 Auf Laut« eine Call-in-Show, in der gesellschaftspolitische Themen diskutiert werden - und damit auch eine Plattform für unterschiedlichste Meinungen und Erfahrungen geboten wird. Oder, anderes Beispiel für offene Kommunikation: Von Seiten des Senders wurde dieses Jahr auch in der Planung des FM4-Geburtstagsfests auf Transparenz gesetzt: Dinge, die im Vorjahr nicht perfekt funktionierten, wurden angesprochen und damit zur Gesamtdiskussion freigegeben.
4. Seitdem du bei FM4 arbeitest, wie hat sich FM4 entwickelt?
FM4 hat sich mir als offener Arbeitsplatz präsentiert, in dem verschiedenste Ideen und Erfahrungen nicht nur akzeptiert, sondern hoch geschätzt werden. Eine ständige Entwicklung des Senders geht damit einher. Meinungen der Mitarbeiter/innen sowie der Hörer/innen werden positiv aufgenommen und in die zukünftige Planung des Senderkonzeptes inkludiert. In Politik, Gesellschaft oder popkulturellen Themen lassen sich daher ständige Veränderungen und das Entstehen neuer Konzepte beobachten.
5. Und wohin wird sich FM4 entwickeln?
Das FM4 der Zukunft ist eine popkulturelle Ideenwerkstatt, ein Ort, in dem sich junge Menschen über verschiedenste subkulturelle Herangehensweisen und Bewegungen informieren können. Ein zentraler Fokuspunkt des jungen gesellschaftlichen Diskurses, in dem ein Zuhause für Menschen, Ideen und kreative und ungewöhnliche Konzepte geschaffen wird.

Der Autor
Christoph Sepin ist Musik- und Filmredakteur.





Public Value Bericht 2017/18