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© ORF/Roman Zach-Kiesling

Ein starkes Team als Erfolgsfaktor

Public Value Bericht 2015/16: Benni Raich – Olympiasieger, Weltmeister, Weltcupsieger


Es war im Jahr 1988. Olympische Spiele in Calgary. Alberto Tomba und Hubert Strolz fuhren zu Goldmedaillen. Ich war zehn Jahre alt und tief beeindruckt. Seit damals träumte ich davon, bei Olympischen Spielen auch einmal ganz oben am Podium zu stehen. Der Skisport an sich hatte mich aber lange davor schon in seinen Bann gezogen. Ich bin auf einem Bergbauernhof im Pitztal in Tirol aufgewachsen und hatte eine sehr schöne Kindheit. Wir haben als Familie viel gemeinsam unternommen - am Hof gearbeitet, im Wald, in der Tischlerwerkstatt meines Vaters, mit den Tieren, wir gingen Bergsteigen und natürlich Skifahren.

Mit zwei Jahren stand ich zum ersten Mal auf Skiern. Vor unserem Haus auf einer Böschung. Mit dabei auch mein Opa, mit dem ich in meiner Kindheit sehr viel Zeit verbracht habe. Mit vier Jahren fuhr ich mein erstes Rennen. Und wenn ich zurückdenke, wusste ich sofort, dass Rennfahren das ist, was ich machen will. So begann also das intensive Training, um mein großes Ziel, einmal ganz vorne mitzumischen, erreichen zu können.

Während ich in der Ski-Handelsschule Stams noch die Schulbank drückte und meinen Abschluss machte, rückte der Skisport immer mehr in den Mittelpunkt meines Lebens. Am Wichtigsten war mir immer, mit Spaß und Begeisterung bei der Sache zu sein. Um an die Weltspitze vordringen zu können, war aber auch vor allem harte Arbeit notwendig. Und das Wissen, dass man nie mit dem Erreichten zufrieden sein darf, immer versuchen muss, noch besser zu werden. Ich hatte auch das große Glück, ein starkes Team um mich zu haben: meine Familie, die mich immer voll unterstützte. Den Österreichischen Ski-Verband, der mir eine perfekte Ausbildung und Betreuung ermöglichte. Meine Ski-Firma, die alles dafür tat, dass ich mit dem bestmöglichen Material ins Rennen gehen konnte. Meine Team-Kollegen, die Vorbild und Ansporn waren. Und sehr viele Menschen mehr, die alle dazu beigetragen haben, dass ich so viele Erfolge einfahren konnte: Weltcup-Siege, Kristallkugeln, Weltmeistertitel und auch das ersehnte Gold bei Olympischen Spielen. Ganz besonders wichtig waren meine Fans. Sie haben mich während meiner ganzen Karriere großartig unterstützt und waren auch in Zeiten, in denen es nicht ganz so gut gelaufen ist, aufmunternd und positiv an meiner Seite.

2015 habe ich meine Karriere beendet. Marlies und ich haben geheiratet, im Oktober hat unser Sohn Josef das Licht der Welt erblickt. Ich habe jetzt das große Privileg, dass ich sehr viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Der Skisport wird mich aber dennoch nie ganz loslassen. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass mir der ORF die Chance gegeben hat, als Experte im Weltcup-Geschehen weiter mit dabei zu sein.

Ich sehe hier eine große Parallele zu meiner Karriere. Ich profitierte immer sehr von Menschen, die mich unterstützten, indem sie mir ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergaben und dadurch auch meine persönliche Entwicklung förderten. Nur dadurch war es für mich überhaupt möglich, im Skisport ganz an die Spitze zu gelangen. Natürlich waren letztendlich das eigene Talent und der permanente, persönliche Einsatz entscheidend für die Erfolge, aber ohne funktionierendes Team hätte es nicht geklappt, wäre ein Olympia-Sieg wahrscheinlich nur ein Traum geblieben.

Auch der ORF öffnet sich, bietet Menschen die Möglichkeit, ihre Sichtweisen einzubringen. Ich darf jetzt mein Wissen und meine Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Ski-Weltcup bei den Analysen der Rennen einfließen lassen. Davon profitiert hoffentlich das Publikum, weil es neue, zusätzliche Aspekte und Ideen ins Wohnzimmer geliefert bekommt. Dies ist für mich ein wichtiges Qualitätsmerkmal: Auch wenn die Qualitätsstandards bereits hoch sind, dennoch immer offen sein für Neues, um dem Publikum eine noch bessere Berichterstattung bieten zu können. Und das in einem Sport, der wesentlich die österreichische Identität mitbestimmt. Was in England der Fußball, in den USA Football, in Skandinavien der nordische Sport - das ist in Österreich ganz klar der alpine Skisport.

Bei den ORF-Übertragungen versammelt sich ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen. Der Skisport begeistert alle Altersgruppen - vom Kind bis zu den Seniorinnen und Senioren. Natürlich ist es in erster Linie das ORF-Team aus Redaktion, Regie und Technik, das die Qualität der Übertragungen sicherstellen muss. Aber es sind auch Menschen wie Hans Knauß oder Thomas Sykora, die mit ihrem Insiderwissen und mit ihrem authentischen Auftreten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Qualität der ORF-Berichterstattung weiter gehoben wird. Das Streben nach permanenter Verbesserung wird auch vom Publikum belohnt - mit Einschaltzahlen, die Jahr für Jahr in den Top Ten der ORF-Reichweitenlisten zu finden sind. Ich freue mich sehr, ein Teil dieses Teams zu sein!

Der Autor
Benni Raich ist ehemaliger Skirennläufer, zweifacher Olympiasieger, dreifacher Weltmeister und gewann 36 Weltcuprennen.




Public Value Bericht 2017/18