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© Milenko Badzic

Aufmachen für 200 Millionen

Public Value Bericht 2015/16: Edgar Böhm – Familie & Unterhaltung, ORF


Der Song Contest 2015 aus Wien trug als Logo-Subline den Slogan »Building Bridges« und hat sich daher von Anfang an dem Motiv der Verbindung, der Überbrückung von Unterschiedlichkeiten, der Öffnung nach außen und innen verschrieben. Die Einladung des ORF an junge Sänger/innen aus weltweit 40 Ländern war von dem Grundgedanken getragen, ein professioneller Veranstalter in einemfriedlichen Land und einer weltoffenen Hauptstadt zu sein. Die Begriffe Toleranz, Vielfalt und Akzeptanz waren die wichtigsten Axiome, die jeder Entscheidung bei dem hochkomplexen Produktionsprozess zugrunde lagen und die in ihrer Relevanz hoffentlich auch über das Ereignis hinaus nachhaltig wirken. Es war eine einmalige Gelegenheit für den ORF, die Stadt Wien und im Grunde genommen für ganz Österreich, sich als moderner, großzügiger und liberaler Gastgeber zu präsentieren.

Wer Brücken baut, muss »aufmachen«, sonst ist die Brücke sinnlos. In diesem Sinne hat unser Land im Mai 2015 die Tore ganz weit geöffnet: für Hunderte Künstler/innen, mehr als 1.000 Journalistinnen und Journalisten und mehr als 10.000 Besucher/innen und Fans aus der ganzen Welt. Anlässlich des 60. Jubiläums des ESC nahm erstmals auch Australien teil und damit wurde die weltumspannende Bedeutung dieser größten TV-Musikshow auch tatsächlich wahr. Es wurde im wahrsten Sinne des Wortes für alle aufgemacht: für alle Sprachen und Kulturen, für alle Generationen und Weltanschauungen. Es war ein Fest zwischen Tradition und Innovation, das ein verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Österreich dargestellt hat. Diese Öffnung hat sich in vielerlei Hinsicht manifestiert: In der Programmgestaltung der drei großem TV-Shows (von der Wiener Philharmonikern bis zum Rap von Left Boy, von Gustav Mahler bis Conchita); in der Präsentation der Gastgeberstadt (Branding, Eurovison Village, öffentlicher Verkehr, Verkehrsampeln, etc.); aber auch im Umgang mit den Künstlerinnen und Künstlern, Delegationen, Journalistinnen und Journalisten (Betreuung durch mehr als 700 Volunteers aus ganz Europa, Freifahrt für alle Akkreditierten auf den öffentlichen Linien, etc.)

Mehr als 200 Millionen Zuseher/innen waren weltweit live dabei, als Österreich »aufmachte« und sich über viele alte Bilder und überkommene Vorstellungen hinwegsetzte. Herkunft, sexuelle Neigung, Sprache oder Tradition machten keinen Unterschied. Alle warenwillkommen, fühlten sich angenommen und akzeptiert. Der Song Contest 2015 war ein österreichischer Brückenbauer, der aus dem Herzen Europas heraus Verbindungen in alle Welt schlug. Das war im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch ein Signal an alle Länder der Eurovision – und darüber hinaus – »aufzumachen.«

Der Autor
Edgar Böhm leitet die Hauptabteilung »Familie, Unterhaltung« des ORF-TV.



Public Value Bericht 2017/18