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© ORF/Stefanie Lecocq

In- und Outside Brüssel

Public Value Bericht 2015/16: Mails von Andreas Heyer & Leonie Heitz – ORF III


Von: Andreas Heyer
Gesendet: Donnerstag, 10. Dezember 2015 09:41
An: Leonie Heitz
Betreff: Gipfel

Hi Leonie, liebe Grüße aus der Wiener Redaktion an Euch in die ORF-Außenstelle in Brüssel! Ein EU-Gipfel noch und dann ab in die Weihnachtspause. Ihr macht ja wieder eine Zusammenfassung der Pressekonferenzen nach dem Gipfel und ich bräuchte noch den Letztstand, was die Themen angeht. Ich nehme mal an, die Frage Flüchtlingsverteilung wird wieder mal im Mittelpunkt stehen?

Von: Leonie Heitz
Gesendet: Donnerstag, 10. Dezember 2015 09:45
An: Andreas Heyer
Betreff: AW: Gipfel

Lieber Andi, ja, die Flüchtlinge stehen wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Alles andere tritt dagegen im Moment in den Hintergrund. Es zeichnet sich ja immer mehr eine Spaltung zwischen ost- und westeuropäischen Ländern in der Thematik ab. Das wird uns diesmal besonders beschäftigen … ziemlich stressige Zeiten …

Von: Andreas Heyer
Gesendet: Donnerstag, 10. Dezember 2015 09:54
An: Leonie Heitz
Betreff: AW: Gipfel

Schon ziemlich krass, wie sich die Lage der EU heuer zugespitzt hat. Zuerst die Griechenlandrettung und immer die Leute, die sagen: »Die da in Brüssel machen eh, was sie wollen«. Und seit dem Sommer geht es nur noch um Flüchtlingszahlen, Grenzzäune und -kontrollen. Dazu noch die Attentate von Paris, europaweite Fahndungen und die daraus resultierende Terrorangst. Die Politik scheint mit der Dynamik der Realität einfach nicht mitzukommen und die EU-kritischen Töne haben derzeit Hochkonjunktur …

Von: Leonie Heitz
Gesendet: Donnerstag, 10. Dezember 2015 10:03
An: Andreas Heyer
Betreff: AW: Gipfel

Ja, das beobachten wir in Brüssel auch mit etwas Sorge. Ich denke, dass die Menschen sich nicht genug eingebunden und gewissermaßen übergangen fühlen. Aber gerade deshalb sind jetzt die Medien gefragt. Wir müssen zwischen den Menschen und der Politik vermitteln, ihnen so gut wie möglich erklären, was hier in Brüssel passiert, um die gefühlte Kluft zu verringern. Das kann ja auch durch Diskussionssendungen wie »Inside Brüssel« passieren. Denn da haben wir eine Plattform, wo wir Politiker/innen auch einmal etwas tiefergehend zu den aktuellen Themen befragen können, als das im schnelllebigen Nachrichtengeschäft passiert.

Von: Andreas Heyer
Gesendet: Montag, 14. Dezember 2015 08:12
An: Leonie Heitz
Betreff: AW: Gipfel

Entschuldige, bin nicht dazu gekommen …weißt eh, Produktionszeiten … Ich bin da ganz bei Dir. Ich könnte mir gut vorstellen, mit »Inside Brüssel« nicht nur Brüssel in die österreichischen Wohnzimmer bringen, sondern die Leute von Österreichs Wohnzimmer auch nach Brüssel zu holen. Quasi die Distanz leicht überbrückbar machen. Wir könnten sie über Facebook oder Twitter Fragen stellen und über Skype sogar mitdiskutieren lassen. Damit könnten wir als Medium eine Zugangsbarriere abbauen und auch die Politik würde ein Stückchen Bürgernähe gewinnen. Es würden nicht mehr nur Politiker/innen untereinander oder mit Journalistinnen und Journalisten diskutieren, sondern die gewählten Volksvertreter/in direkt mit den Bürgerinnen und Bürger. Vielleicht ist das eine Antwort auf den Frust der Menschen gegenüber der EU. Ich meine, nicht dass wir jetzt pro oder gegen Frust sind, wir bleiben da schon beim Bericht Erstatten; manchmal aber glaube ich, dass jene, die sich nur über Social Media informieren – dort, wo wir nicht so präsent sind – einem Haufen Fehlinformation aufsitzen.

Von: Leonie Heitz
Gesendet: Montag, 14. Dezember 2015 10:24
An: Andreas Heyer
Betreff: AW: Gipfel

Kein Problem, Stress kenn ich auch – und Rest: Find ich super! Man konnte auch vor jeder Sendung einen kleinen Videowettbewerb machen. Dann konnten die Zuschauer/innen ihre Anliegen an die EU selbst verfilmen. Die Filme könnten wir dann als Einspieler verwenden, die Input für die Diskussionen liefern. Wäre echt spannend, was dabei rauskäme.

Von: Andreas Heyer
Gesendet: Montag, 14. Dezember 2015 10:29
An: Leonie Heitz
Betreff: AW: Gipfel

Genau! Diese Einspieler würden EU-Themen sicher näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen heranbringen. Es wäre auch denkbar, in einer Art Crowdsourcing im Vorfeld der Sendung Themen durch das Publikum zu generieren. »Inside Brüssel« könnte so auch eher wie eine Diskussionsplattform für EU-Themen genutzt werden, bei der die Menschen auch wirklich mitmachen können. Damit könnten wir auch wieder Vertrauen zurückgewinnen, oder siehst Du das anders?

Von: Leonie Heitz
Gesendet: Montag, 14. Dezember 2015 11:02
An: Andreas Heyer
Betreff: AW: Gipfel

Nein, das sehe ich auch so! Und wenn man die Sache noch etwas weiterspinnt: Wie wäre es denn, wenn wir ab und zu auch mal aus dem Studio rausgehen? Eine Diskussionssendung muss ja nicht zwangsläufig in einem Studio stattfinden. Das alleine schafft doch schon ein Gefühl der Distanz zu den Zuschauerinnen und Zuschauern. Wir könnten zum Beispiel mit »Inside Brüssel« eine kleine Tour durch europäische Wohnzimmer machen. Wir schnappen uns ein, zwei EU-Abgeordnete und besuchen Menschen, die mit uns über Europa diskutieren möchten. Jetzt mal unabhängig von den technischen Voraussetzungen… könntest Du Dir das vorstellen?

Von: Andreas Heyer
Gesendet: Montag, 14. Dezember 2015 11:08
An: Leonie Heitz
Betreff: AW: Gipfel

Sicher, ein journalistisches Gespräch muss nicht im Studio stattfinden. Bei manchen Geschichten ist es sicher interessanter, hinaus zu gehen. Entweder direkt zu den Bürgerinnen und Bürgern oder auch im Stil eines Lokalaugenscheins an die österreichisch-deutsche Grenze, wo die Flüchtlingsproblematik gerade stattfindet. Da könnten dann auch die betroffenen Bürger/innen, Beamtinnen, Beamte und Flüchtlinge Teil der Diskussion sein. Ich glaube auch gar nicht, dass es an der Technik scheitern würde, sondern eher am zeitlichen, personellen und damit auch am finanziellen Aufwand. In Dauersparzeiten fehlt für klassisches Fernsehen, vor allem bei ORF III, leider die Man-Power.

Von: Leonie Heitz
Gesendet: Montag, 14. Dezember 2015 12:20
An: Andreas Heyer
Betreff: AW: Gipfel

Das stimmt natürlich. Das gleiche Problem haben wir ja bei den sozialen Medien. Hier könnte man insgesamt viel stärker mit den Zuschauerinnen und Zuschauern in Austausch treten. Facebook, Twitter und Co. sind nun mal mittlerweile die Orte, an denen Diskussionen stattfinden. Das würde auch die mediale Einbahnstraße Fernsehen (wir senden, ihr schaut zu) aufbrechen. Allerdings: Auch das fordert einiges an (Wo-)Man-Power, wie Du schon sagtest. Mal sehen, ob wir 2016 mehr Geld und Ressourcen bekommen, ich wag´s zu bezweifeln … ist so ein Sportjahr, dann Ausbau der TVthek, Frühfernsehen, Radio kostet auch was … guter Journalismus ist einfach nicht gratis, da kann man machen, was man will … Nun ja, ich werde meine Woman-Power nach diesem turbulenten Jahr jetzt erst einmal wieder aufladen und wünsche Dir in diesem Sinne eine erholsame und besinnliche Weihnachtszeit … aber vielleicht hören wir uns eh noch vorher!

Die Autoren

Leonie Heitz arbeitet seit drei Jahren als Producerin für das Brüsseler Korrespondentenbüro des ORF.

Andreas Heyer ist u. a. Sendungsverantwortlicher für die »ORF III«-Formate »science.talk« und »Zeit.Gespräch«.






Public Value Bericht 2017/18