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© ORF/Neumayr/Mike Vogl

ORF goes »smart«

Public Value Bericht 2015/16: Thomas Prantner – ORF Online und neue Medien


60 Jahre alt ist er 2015 geworden, der ORF, und trotzdem ist er kein bisschen leise. Schon gar nicht, was Neue Medien und Technologien betrifft. Und das ist gut so. Denn wer hier »altehrwürdig« statt modern, Bummelzug statt Railjet ist, der verpasst den Zug der Zeit. »Smart« sein ist daher angesagt. Auch beim ORF. Denn: In Zeiten digitaler Revolutionen und eines sich radikal verändernden Mediennutzungsverhaltens war und ist es für den ORF eine unternehmerische Überlebensfrage, vor allem auch die jungen mobilen Zielgruppen zu erreichen, indem man sich diesen neuen Technologien öffnet, sie nutzt, um auch über mobile Apps und Smart-TVs öffentlich-rechtliche Inhalte und Werte zu vermitteln.

Und dennoch: »Smart« sein kann, darf nicht heißen, Innovationen nur um der Innovation willen anzubieten. Auch wenn die digitale Medientechnologie heutzutage Vieles, fast Alles möglich macht – es geht darum, Services zu entwickeln, die hochqualitativen Content und modernste Technologie zu einem sinnvollen Ganzen vereinen, die Öffnung und Dialog in Richtung Publikum bewirken. Nur dann wird eine Innovation von Dauer sein, das Publikum begeistern können und für beide Seiten – das Publikum und das Medienunternehmen selbst – ein wertvolles Asset darstellen.

Klares Ziel der ORF-Multimedia-Strategie war und ist es daher, durch eine plattformübergreifende Innovationsoffensive – beispielsweise mit dem Einstieg ins HD- und HbbTV-Zeitalter – vor allem junge Menschen anzusprechen. Wir haben aber auch die Türen unserer Redaktionen geöffnet, Expertenwissen und Facts & Figures zugänglich gemacht: Mit sehr erfolgreichen Ski-, Fußball- und News-Angeboten im Web und auch als Apps und weiteren multimedialen Informationsschwerpunkten haben wir hier einen guten Start hingelegt und eine weitere Imageverbesserung hin zum modernen Multimedia-Unternehmen geschafft. »Smart« sein kann aber auch bedeuten, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen und den Zugang zu seinen Major Assets auch der »Konkurrenz« zu öffnen. So will der ORF beispielsweise den österreichischen Verlegern seine Videoinhalte anbieten, damit diese ihre Online-Angebote noch multimedialer, attraktiver und ansprechender gestalten können. Die Austria Presse Agentur ist in diesem Modell die neutrale Plattform, die den Verlagen einen Zugang zum aktuellen News- und Current-Affairs-Output des ORF und seiner vier Fernsehprogramme aufbereitet. Unserem Selbstverständnis nach sind das Inhalte, die jeder Einzelnen und jedem Einzelnen zur Verfügung stehen sollten, auch dann, wenn sie außerhalb des ORF-Kontexts konsumiert werden.

Ein ganz anderes Beispiel für innovative Projekte, die einen neuen, offenen Zugang zu ORF-Material bieten, und damit gleichzeitig eine moderne Art der Umsetzung des öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags im Bereich Online und Neue Medien darstellen, ist die Aktion »ORF-TVthek goes school«. Hier werden unsere Archivschätze via ORF-TVthek erstmals Lehrerinnen, Lehrern, Schülerinnen und Schülern direkt und dauerhaft zugänglichgemacht. Es entsteht schrittweise ein Videoangebot zu zeit- und kulturhistorischen Themen – von der »Geschichte der EU« über »100 Jahre Erster Weltkrieg« bis zur »Politischen Geschichte der Zweiten Republik«, das Jugendlichen Bildungsinhalte mittels moderner Kommunikationsmedien näherbringen, Geschichte durch Multimedia erlebbar machen kann. Mit der Archiv-Reihe zur Geschichte der Bundesländer wird darüber hinaus auch regionaler Video-Content verstärkt in die ORF-TVthek integriert – ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Föderalismus und Aufwertung der ORF-Landesstudios.

Der Autor
Thomas Prantner ist stellvertretender Direktor für Technik, Online und neue Medien und verantwortet u. a. die TVthek, die 2014 den New Media Journalism Award gewann.

 





Public Value Bericht 2017/18