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© ORF/Roman Zach-Kiesling

Niederschwelliger Zugang

Public Value Bericht 2015/16: DI Karl Petermichl – ORF


Die Bedeutung von »Public Value« in den Sendungsinhalten erschließt sich unmittelbar – Qualität und Objektivität der ORF-Angebote zu Information, Bildung und Unterhaltung sind für Interessierte eindeutig erkennbar und erfahrbar. Doch wie bilden sich Auftrag und Forderung nach »Öffentlichem Wert« in der Technik ab, die zumeist nicht direkt für die Konsumentinnen und Konsumenten sichtbar ist, sondern den Programmabteilungen die Erstellung und Ausstrahlung von Sendungen ermöglicht?

Offene Standards und agile Entwicklung: Geräte und Anlagen für die Sendungsproduktion wie etwa Kameras, Schnittsysteme und Videomischpulte waren von Beginn der Fernseh- und Radiotechnik an hochspezialisierte Systeme, die nur von einigen wenigen Firmen welt-weit hergestellt, konfiguriert und repariert werden konnten. In Zukunft werden durch den Einsatz von allgemein verfügbaren Komponenten (COTS – »Commercial of the Shelf«) und die Verwendung von lizenzfreien und offenen Standards und Schnittstellen (»Open Source«), sowie in agilen Prozessen in Entwicklung und Betrieb Aufwände gespart, die im Sinne von Public Value den Inhalten und Programmen zugutekommen.

Der moderne Lebensstil und Consumer-Geräte wie Smartphones und Tablets haben zur Folge, dass der Medienkonsum immer öfter abseits von gewohnten Situationen wie »Wohnzimmer« oder »Arbeitsplatz« gewünscht wird. Zudem diversifizieren sich Interessen, Zeitplanung, Plattformen und Empfangswege. Die ORF-Technik macht es sich im Sinne der »Touchpoint-Strategie« daher zum Auftrag, den Gebührenzahlerinnen und -zahlern den Konsum der ORF-Inhalte an möglichst jedem Ort, zu jeder Zeit und unabhängig vom Endgerät zu ermöglichen. Besonderes Augenmerk gilt dabei einem gleichberechtigten, niederschwelligen Zugang und der Bereitstellung von barrierefreien Funktionalitäten und Zusatzdiensten.

Öffnung und Sparsamkeit im Sinne der modernen ORF-Technik bedeutet auch, das »Rad nicht neu zu erfinden«. Wo immer möglich, wird auf Kollaboration der Disziplinen, den Austausch mit internationalen Arbeitsgruppen und die Anwendung von Erfahrungen und »Best Practices« gesetzt. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen wie der Fachhochschule Hagenberg öffnen den ORF für eine neue Generation von Medien- und Softwaretechnikerinnen und -technikern. Die Förderung von Start-ups und damit auch die Integration innovativer Ideen und Methoden sorgen dafür, dass nicht einfach nur Gewohnheiten wiederholt werden, sondern durch ständiges Hinterfragen und Verbessern die Gebührenleistungen optimal in Produkte und Formate umgesetzt werden können. Dass die Bilder und Töne der ORF-Programme und das Layout der Online-Angebote besondere technische Qualität aufweisen, ist für die meisten Konsumentinnen und Konsumenten mittlerweile selbstverständlich. Niemals darf eine technische Innovation jedoch zum »Selbstzweck« werden – nur getrieben vom Marketing oder den Wünschen einiger weniger »Geeks«. Eine technische Innovation muss hinreichend standardisiert und bewährt sein, damit sie auch der Mehrzahl der Gebührenzahler/innen zugänglich ist – schließlich soll garantiert sein, dass ein Gerät aus dem Elektronikmarkt auch tatsächlich wie vorgesehen funktioniert und die ORF-Inhalte mit der erwarteten hohen Qualität wiedergeben kann. Innovationen, die sich nicht im Markt durchsetzen, wären eine verlorene Investition und damit kein sorgsamer Umgang mit Gebühren.

Sehr viele Punkte also in Summe, die auch von der ORF-Technik unter Direktor Michael Götzhaber im Sinne des gesetzlichen Auftrages und im Rahmen der Begrifflichkeit »Public Value« geleistet werden. Die Öffnung und Innovationskultur hat dabei gerade erst begonnen und wird den ORF auch für die kommenden Jahre fit halten, im kompetitiven Markt der Medientechnologien die jeweils besten Lösungen zu finden und für die Konsumentinnen und Konsumenten erfahrbar zu machen.

Der Autor
Karl Petermichl ist Hauptabteilungsleiter in der technischen Direktion des ORF.



Public Value Bericht 2017/18