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futurelab.261

Public Value Bericht 2015/16: Mag. Gerald Reischl – ORF Mediaservice


Das Silicon Valley südlich von San Francisco ist zu so etwas wie einem Synonym für Innovation geworden, zum Musterbeispiel dafür, wenn über die Zukunft, Start-ups und digitale Revolutionen gesprochen wird – viele der Unternehmen, die die Gegenwart prägen und die Zukunft mitgestalten, kommen aus der fast 5.000 Quadratkilometer großen »Bay Area« zwischen San Francisco im Norden und San José im Süden in den USA. 120.000 Start-ups gibt es derzeit im Silicon Valley. Ungefähr. Eine genaue Zahl gibt es nicht. Sie kommen und gehen, täglich entstehen neue, täglich sperren Start-ups wieder zu.

17.000 Start-ups werden laut »Silicon Valley Index« pro Jahr gegründet, das sind 47 neue Start-ups pro Tag; das wiederum bedeutet, dass aus dem Valley ein immenser Innovationsschub ausgeht, der die dortige Wirtschaft ankurbelt und für kontinuierlich neue Innovationen sorgt. Das bedeutet aber auch, dass viele Erfinder/innen, Entwickler/innen und Kreative ins Valley ziehen, um dort ihr Glück zu suchen. Viele Länder leiden unter diesem »Braindrain« und dem Talenteschwund, weil sie mit dem Valley nicht mithalten können. Klar ist daher, dass viele Staaten und Städte der Welt das Silicon Valley zu kopieren versuchen, um einerseits auch in ihren Regionen eine nachhaltige Innovationskultur aufzubauen und andererseits für die smarten Köpfen in ihrem Land jene Voraussetzungen zu schaffen, mit sie ihre Ideen im Heimatland realisieren können.

Auch der ORF hat sein Start-up-Projekt gestartet. Unter der Marke »futurelab.261« wird ein eigener Start-up-Campus etabliert, der junge Unternehmen, die strategisch und nachhaltig zum ORF passen, fördern und deren Wissen und Innovationskraft mit den Stärken des ORF zusammenzubringen wird. Es geht dabei aber nicht nur um den ORF. Der Auftrag an das futurelab.261 ist, nicht nur die junge Wirtschaft zu unterstützen, sondern die Innovationskraft im Land zu behalten und den Wirtschafts- und Medienstandort Österreich zu stärken. Nur mit Innovations- und Förderprojekten im eigenen Land können junge Unternehmen dazu animiert werden, von Österreich aus die Welt mit ihren Ideen und Produkten zu begeistern.

Nicht aus jedem der heimischen Jungunternehmen werden neue IT-Riesen entstehen, aber mit Garantie wird aus dem einen oder anderen Start-up ein Unternehmen, das die Welt von morgen mitgestaltet und Probleme lösen wird. Und von diesen gibt es genug: ob im Bereich Energie, Umwelt, Wasser, Gesundheit, Ernährung, Medien oder Bildung. Daher suchen wir als ORF in erster Linie Start-ups, mit denen wir im Rahmen unseres öffentlich-rechtlichen Auftrags unternehmerische Ideen aus den Bereichen Bildung, Kunst & Kultur, soziale Verantwortung und Information realisieren. Diese Ideen müssen für die Allgemeinheit und den Standort spannend und inspirierend sein.

Innovation ist wichtig für jedes Unternehmen. Sie ist das, was der Sauerstoff für einen Menschen ist. Es gibt ausreichend Beispiele dafür, dass Konzerne, fest verankert im globalen Wirtschaftssystem, erfolgreich bei den Nutzerinnen und Nutzern, innerhalb kürzester Zeit vom »Weltmarktführer« zum globalen Verlierer mutierten. Zum Beispiel im Fotografie- oder Mobilfunkbereich, wo an echte Innovation lange nicht geglaubt wurde, bis es zu spät war.

Viele der großen Konzerne wurden Opfer ihrer fehlenden Innovationsbereitschaft bzw. scheitern daran, Innovation im eigenen Haus zu fördern. Vor allem in den traditionell gewachsenen Unternehmensstrukturen können nicht alle Innovationen selbst entwickelt werden – weil zum Entwickeln und Realisieren ein »Versuch und Irrtum«-Prinzip gehört und Konzerne das oft nicht zulassen.

Spannende Ideen kommen, vor allem im Bereich der Digitalisierung, von außen, werden von jungen Unternehmen, Start-ups, geliefert, die sich »Versuch und Irrtum« erlauben dürfen. Sie müssen sich nicht rechtfertigen, wenn ein Service misslingt oder ein Produkt erst nach dem zwölften Prototyp funktioniert und marktreif ist. Sie probieren neue Zugänge im Denken, im Realisieren wie auch im Arbeiten – so sind viele Start-ups heute in sogenannten »Co-Working-Places« aktiv, in Gemeinschaftsbüros, in denen sie sich nicht nur die Infrastruktur, sondern das gesamte gesellschaftliche und kreative Umfeld teilen.

Um Niederlagen zu vermeiden, versuchen es gestandene Unternehmen erst gar nicht, sich selbst zu erneuern. Gute Beispiele lassen sich von Start-ups inspirieren, die von außen kommen und den Innovationsgeist ins Innere des Unternehmens transportieren. Daher ist es wichtig, dass Start-ups einen direkten Anschluss an das Unternehmen haben, dass sie nicht rein autark arbeiten, sondern in die entsprechenden Abteilungen eingebettet werden, damit sich ihre Kultur verbreiten kann. Große Unternehmen und Start-ups können sich gegenseitig befruchten – und beide können davon profitieren. Und Erfolgsgeschichten sind die, die wir in der Zukunft brauchen, um junge Unternehmer/innen in Österreich zu halten und noch mehr Innovationskraft zu entwickeln.

Der Autor
Gerald Reischl ist Geschäftsführer der ORF Mediaservice und des »futurelab.261«.



Public Value Bericht 2017/18