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Studie »Der Auftrag: Demokratie«

Die Public Value-Jahresstudie 2017/18 in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk und der EBU


DEMOKRATIE IST KEINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
Diese elementare Erkenntnis wurde in den letzten Jahren durch globale medienökonomische und gesellschaftliche Disruptionen in Erinnerung gerufen. Die Frage, wie Medien darauf reagieren und welchen Beitrag sie zum Gelingen einer funktionierenden demokratischen Öffentlichkeit leisten, ist dabei von zentraler Bedeutung. Das gilt vor allem für öffentlich-rechtliche Medien, die mit ihren Funktionsaufträgen einen „Vertrag mit der Gesellschaft“ eingehen, der nicht einem kommerziellen Geschäftsmodell, sondern einem „Public Service“ entspricht. Dabei steht –auch im digitalen Zeitalter- nicht das Ziel im Vordergrund, Rendite für Shareholder/innen, sondern Public Value für Bürger/innen zu schaffen. Dieser unterscheidbare Sinn und Zweck öffentlich-rechtlicher Medien wird durch die Entwicklungsdynamik der digitalen Kommunikationstechnologien radikal herausgefordert: Worin besteht „digitaler Mehrwert“, der nicht nur die Aktien in die Höhe treibt, sondern auch den Nutzen für die Gesellschaft? Wie können sich (öffentlich-rechtliche) Medien den Rahmenbedingungen der digitalen Welt anpassen? Müssen sie standhalten oder dagegenhalten? Und nicht zuletzt: Was bedeutet „digitale Demokratie“?

Wer Antworten und handlungs- und lösungsorientierte Perspektiven dafür sucht, ist angehalten, die Entwicklung der globalen digitalen Kommunikation mit den Folgen der gesellschaftlichen Umbrüche zu verbinden und hinsichtlich ihrer komplementären Wirkung zu analysieren. Die Perspektive der aktuellen Public Value Studie ist daher interdisziplinär und hat sich um unterschiedliche Zugänge bemüht. Die vorliegenden Ergebnisse sind entsprechend vielfältig und berühren ebenso unterschiedliche wie gesellschaftlich relevante Fragen:

Bernd Holznagel (Universität Münster) behandelt den Demokratieauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor dem Hintergrund der Herausforderungen durch die Internetkommunikation.
Claudia Ritzi (Universität Trier) analysiert die Wirkung, aber auch die Chancen für öffentlich-rechtliche Medien im Zeitalter der Postdemokratie.
Stephen Cushion (Cardiff University) befasst sich mit dem demokratischen Wert von Information und Nachrichten.
Günther Ogris, Florian Oberhuber und Martina Zandonella (SORA) stellen ein neues sozialwissenschaftliches Modell, den „Demokratiemonitor“, vor und erörtern seine Optionen für den ORF.
Stefan Rappenglück (Hochschule München) thematisiert die Frage der politischen Bildung im digitalen Zeitalter.
Christian Fuchs (University of Westminster) entwickelt schließlich Grundlagen für eine digitale Demokratie und konkrete Vorschläge, wie sie in den Programmen öffentlich-rechtlicher Medien umgesetzt werden könnten.

Tatsache ist: Die Veränderungen in der globalen Medienökonomie und laufende gesellschaftliche Konfliktszenarien haben das Potential nachhaltige Krisen der Demokratie auszulösen. Daher kommt der Frage, wie sich öffentlich-rechtliche Medien in ihrer Rolle als „Vierte Gewalt“ im Kontext von Demokratie und Gesellschaft verorten eine zentrale Bedeutung zu. Können sie ihre infrastrukturelle Bedeutung für die Bevölkerung auch angesichts der kommerziellen Konkurrenz aufrechterhalten?

Werden sie „im Auftrag der Gesellschaft“ auf ein Nischenprodukt beschränkt oder müssen sie – gerade angesichts der medialen Flut digitaler Information und Unterhaltung- ihr multimediales Angebot drastisch ausweiten? Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen und welches Mindset von Veränderung und Innovation sind erforderlich, um den künftigen Anforderungen zu entsprechen?

Die vorliegende Studie liefert keine abschließende Antworten, aber relevante Hinweise darauf, wie öffentlich-rechtliche Medien ihren demokratiepolitischen Auftrag in Zukunft wahrnehmen und ihre gesellschaftspolitische Relevanz unter den Bedingungen der digitalen Medienwelt entwickeln könnten. Dabei ist neben Reform und Transformation vor allem ein entwicklungsoffener und zukunftsorientierter Diskurs nachgefragt, der durch die Beiträge dieser Studie angeregt werden soll.

Wir bedanken uns beim „Media Intelligence Service“ der „European Broadcasting Corporation /EBU“ und beim Bayerischen Rundfunk für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und bei allen Studienautor/innen für ihre Mitwirkung. Die Beiträge dieser Studie und knapp 200 weitere Artikel österreichischer, deutscher und internationaler Wissenschafter/innen und Medienexpert/innen zu öffentlich-rechtlicher Medienqualität finden Sie ebenso wie umfangreiche Zahlen, Daten und Fakten zur Medienproduktion des ORF auf zukunft.ORF.at sowie in der ORFSchriftenreihe „TEXTE – öffentlich-rechtliche Qualität im Diskurs“.

KONRAD MITSCHKA
KLAUS UNTERBERGER

ORF GENERALDIREKTION PUBLIC VALUE


Studie 2011: Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet, Univ.-Prof.Dr. Viktor Mayer-Schönberger und Attila Marton abspielen
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Studie 2011: Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet
Univ.-Prof.Dr. Viktor Mayer-Schönberger und Attila Marton


Public Value Bericht 2017/18