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Ein Augenblick Freiheit

Arash T. Riahi, Regisseur

Transkription
tagrtv: „Ein Augenblick Freiheit“ ist ein Film, der einem durch die Haut geht, der mich mit einem gewissen Gefühl der Ohnmacht zurückgelassen hat. Aber ich habe während dem Anschauen auch sehr viel lachen müssen. Er handelt von Flüchtlingen vor dem Asylantrag. War es deine Intention, einen Film zu schaffen, der diesen oft namenlosen Menschen Namen, Gesichter und auch Geschichten gibt?
Arash: Ja, definitiv. Meine Idee war, dass ich zeige, was Menschen auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen, damit man einfach irgendwie Geschichten hat, hinter diesen fremden Personen, die halt oft von den Medien, von den rechten Medien, von der Kronenzeitung als „Schmarotzer“ und „Asylanten“ – negativ – bezeichnet werden. Und ich wollte einfach zeigen, dass es ganz menschliche Wünsche sind, die diese Leute haben. Es sind z.B. keine abstrusen Figuren, die hierher kommen, um uns auszusaugen oder den Österreicher auszusaugen. Sondern das sind einfach normale Menschen mit normalen Wünschen, und wenn man sich mit ihnen beschäftigt, dann sieht man, dass es viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.
tagrtv: Du bist selbst mit neun aus dem Iran geflohen, ist der Film sehr autobiographisch?
Arash: Die autobiographischen Elemente sind in dem Film eigentlich relativ wenig. Es gibt z.B. eine Szene, in der ein Kind erfriert. Das ist mir eben selbst fast passiert. Die persönlichste Geschichte ist die Geschichte der zwei kleinen Kinder, die ja die Geschichte meiner Geschwister ist.
tagrtv: Ich habe gelesen, sie haben eineinhalb Jahre gecastet und sehr viele Schauspieler wollten sehr gerne in ihrem Film mitwirken. Warum war das so?
Arash: Ja, es war so, dass sich interessanterweise beim Casting viele Iraner gemeldet haben, sich viele Flüchtlinge gemeldet haben, die zum Teil überhaupt keine professionellen Schauspieler waren, aber diesen Weg selbst gegangen sind. Und ich habe jetzt im Nachhinein, merke ich bei den Vorstellungen und auch bei den Gästebucheintragungen auf der Homepage des Films, was für ein kathartisches Erlebnis dieser Film anscheinend für die Iraner ist. Eines Tages hat mich z.B. ein Vater angesprochen, er hat seit dreißig Jahren nicht mit seinen Kindern über das geredet, und durch den Film ist bei ihm etwas aufgegangen, und er möchte jetzt mit den Kindern den Film sich anschauen und darüber reden. Oft ist es so, vor allem für die ältere Generation, sie verlassen ihr Land, kommen mit dreißig, vierzig nach Europa, müssen von Null beginnen, wollen eigentlich damit gar nichts zu tun haben, sind extrem traumatisiert, und für diese Menschen ist es dann wichtig, dass sie sich eben damit beschäftigen. Weil es ist ein so großes Ereignis, dass man das nicht einfach so verdrängen kann.
tagrtv: In deinen Regietagebüchern schreibst du, dass du nach und nach während der Dreharbeiten zum Therapeuten der gesamten Crew geworden bist. Es war dein erster Spielfilm. Wie war die Situation für dich?
Arash: Ich hatte vorher nur in Werbungen usw. mit Schauspielern zu tun, und jetzt in dem Film gibt es zwölf Hauptrollen, es gibt sehr viele unterschiedliche Rollen, große Rollen für Kinder usw. Es ist immer schwieriger geworden, weil die Drehbedingungen sehr schwierig waren. Wir waren zwei Monate unterwegs in den Bergen. Dadurch ist es halt passiert, dass ich immer mehr zu einem Gesamttherapeuten geworden bin, für die ganzen Personen und Persönlichkeiten, die im Film vorkommen.
tagrtv: War es sehr schwierig, den Film zu finanzieren?
Arash: Die Arbeit an den Film hat sechs Jahre gedauert, insgesamt. Ich habe vier, fünf Jahre an dem Buch geschrieben. Das hat den Grund gehabt, dass die Geschichte relativ komplex ist. Die zweite Sache war, dass ich eben keinen Spielfilm gemacht hatte, und ich musste zuerst einmal ein Drehbuch liefern, das so gut war, dass man es eben nicht ablehnen konnte. Dann habe ich das Buch entwickelt, bin auf Workshops gefahren, habe zwei Kino Dokumentarfilme inzwischen gemacht. Wir haben dann ein sehr gutes erfahrenes Team zusammengesucht, und so ist dann die Finanzierung, laut dem Produzenten, relativ schnell gegangen, also prinzipiell so ein Jahr, eineinhalb Jahre. Aber es gibt Filme, die brauchen vier, fünf Jahre bis sie finanziert sind.
tagrtv: Was sagst du zu der Situation der österreichischen Filmförderung im internationalen Vergleich?
Arash: Ich hatte letzte Woche ein Gespräch mit dem österreichischen Filminstitut. Es war eine komische Situation, weil beklagt wurde, dass es so viele gute Projekte gibt. Obwohl es mehr Geld gibt, gibt es zu viele gute Projekte, und man kann sie nicht alle fördern.
Apropos, Preise und Filmförderung. Wie viele Preise sind es inzwischen schon geworden?
Für „Ein Augenblick Freiheit“ haben wir inzwischen 24 Preise bekommen. Der erste Preis ist immer der wichtigste.
tagrtv: Jetzt wollte ich fragen, ob einer besonders am Herzen liegt?
Arash: Ja, wir haben die Uhraufführung in Montreal gehabt, das ist eine der Top 10 Festivals. Da habe ich den ersten Preis für den besten Erstlings Film bekommen, dann, was mir traditionell viel bedeutet hat, war der Wiener Filmpreis, weil es auf der „Viennale“ war, und es war irgendwie so eine Anerkennung im eigenen Land, was ganz schön war.
tagrtv: Gratulation dazu!
Arash: Vielen Dank!
tagrtv: Danke für das Gespräch!
Arash: Gerne geschehen!




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