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Gute Comedy ist Talk-About

Public Value Bericht 2015/16: Mailen mit Gernot Kulis – Hitradio Ö3


Von: Mitschka Konrad
Gesendet: Montag, 15. Februar 2016 11:44
An: Kulis Gernot
Betreff: Fragen

Lieber Gernot,
Ich mailde mich in Sachen Fragen zum Public-Value-Bericht. Dieser steht heuer unter dem Motto „Aufmachen“. Ich schlage vor, wir probieren das mal als Hin- und Hergemaile – Eröffnungsfrage daher wie das Motto: Wo / Was / Wie sollen öffentlich-rechtliche Medien im digitalen Europa aufmachen?
lg konrad

Von: Kulis Gernot
Gesendet: Dienstag, 16. Februar 2016 15:43
An: Mitschka Konrad
Betreff: AW: Fragen

Lieber Konrad,
Verzeih mir die späte Antwort. War auf Tour und jetzt wieder am Sender.
Puh, die Frage ist sehr allgemein gestellt und damit vielleicht auch zu komplex, um sie in ein paar Zeilen zu beantworten. Ich fang mal »leicht« an … :)
Humor ist die beste Art, Themen aufzumachen – also sie einem breiten Publikum zu öffnen / zugänglich zu machen. Es gibt keinen direkteren Zugang zu den Hörerinnen/ Hörern, als sie zum Lachen zu bringen. Davon bin ich überzeugt. Die Nachrichten erzählen die Fakten, die Comedy versucht, satirisch die Hintergründe aufzuarbeiten. Ö3 ist doch das beste Beispiel dafür, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk längst geöffnet hat. Kein Sender ist über mehr Kanäle erreichbar und für seine Hörer und Hörerinnen ansprechbar als Ö3. Ich selbst bin als Comedian nicht nur auf Ö3 zu hören, sondern mit meinem Programm auch auf fast allen Bühnen des Landes. Ich betrachte tagesaktuelles Geschehen aus einer humorvollen Perspektive und arbeite aktuelle Themen satirisch auf. Zum Beispiel in meinem Wochenrückblick, jeden Freitag im Ö3-Wecker, versuche ich in erster Linie die Topthemen zu behandeln – und das so, dass man einerseits darüber lacht und gleichzeitig sich damit auseinandersetzt bzw. darüber nachdenkt. Gute Comedy ist Talk-About – Ö3-Hörer/innen hören sie am Frühstückstisch, nehmen sie mit in die Arbeit – sprechen darüber. Ich glaube, es ist gerade diese Perspektive, die bei meinem Publikum bzw. bei den Ö3-Hörerinnen und Hörern mehr erreicht als eine nüchterne Analyse. Es gibt keinen direkteren Zugang zu den Hörerinnen und Hörer, als sie zum Lachen zu bringen.
Bis dann, Gernot

 
Von: Mitschka Konrad
Gesendet: Dienstag, 16. Februar 2016 17:36
An: Kulis Gernot
Betreff: AW: Fragen

Glaubst Du, dass das Prinzip: Du bringst sie zum Lachen, sie lachen, und nach ein paar Minuten ist es vorbei, zukunftsträchtig ist? Es gibt ja intensive Debatten zu Bürgerbeteiligung, Partizipation, User-generated Content. Betrachtet man die Entwicklung in den sog. „Social Media“, würde man ja auf die Idee kommen, dass die Zukunft der Medien jedenfalls interaktiv ist. Hinzu kommt, dass das Bedürfnis nach Mediennutzung dann, wann man will, zu steigen scheint, und wir dürfen online Content ja nur sieben Tage lang anbieten, dann muss er gelöscht werden … das gilt auch für Deine Comedy … – als Frage formuliert: Muss es weiterhin ausschließlich „professionelle“ Medienmacher/innen geben, oder sollte die „Bürgerseite“ verstärkt werden, sinngemäß also: mehr Humor der Hörer/innen auf Sendung inklusive öffentlichem Langzeitarchiv?


Von: Kulis Gernot
Gesendet: Mittwoch, 17. Februar 2016 12:02
An: Mitschka Konrad
Betreff: AW: Fragen

Ja, und das tun wir jetzt schon. Wir beziehen bei der Comedy das Publikum sehr oft ein. Es kommen sogar viele Vorschläge aus der Hörerschaft. So fallen Barrieren zwischen Publikum und Comedian. Wie bei mir auf der Bühne, inklusive unmittelbarer Reaktion. Aber auch on air ist durch Social Media etc. das Feedback unmittelbarer geworden. Die Social-Media-Bereiche sind wichtig, da das den Talk-about-Faktor erhöht. Gute Comedy wird „geteilt“, also sowohl im Büro weitererzählt, als auch im Social-Media-Bereich geshared. (Geshared! Ha! Alleine das Wort ist Comedy – Früher sind nur Schafe geschert worden …) Auf alle Fälle verschwindet Humor / Comedy nicht einfach, sondern bleibt auf ewig erhalten! Geschichte schreibt man nur dann, wenn sie auch niedergeschrieben wird. Langzeitarchive, Dokumentationen sind wichtig.


Von: Mitschka Konrad
Gesendet: Mittwoch, 17. Februar 2016 16:31
An: Kulis Gernot
Betreff: AW: Fragen

Versteh ich Dich richtig: Du willst, dass sich möglichst viele beteiligen? Und sag, wie muss ein Vorschlag sein, damit Du ihn aufgreifst (gibt es zum Beispiel Grenzen in Sachen Humor, wo Du sagen würdest: Nein, das machen wir nicht)? Und wo wendet man sich hin, wenn man eine Idee hat?


Von: Kulis Gernot
Gesendet: Mittwoch, 17. Februar 2016 17:53
An: Mitschka Konrad
Betreff: AW: Fragen

Humor bzw. Comedy im Radio soll schon denen überlassen werden, die es als Profession ansehen. Aber es ist ein schönes Zeichen, wenn sich Menschen inspiriert fühlen und mitmachen wollen. Wenn eine gute Anregung zu Ö3 kommt (z. B. über E-Mail an hitradio@oe3.at), setzen wir sie auch gerne um. Da sagen wir nicht nein und sind auch nicht beratungsresistent. Ein Vorschlag sollte schnell erklärt sein, oft reicht sogar nur ein kleiner Wink (ein Hinweis).
Manchmal ist es eine lustige Pointe, die Potenzial zu einer längeren Story hat. Es gibt keine Grenzen – außer sozusagen das Bloßstellen Einzelner, die nicht von vornherein in der Öffentlichkeit stehen. Die Nachrichten erzählen die Fakten, die Comedy versucht satirisch die Hintergründe aufzuarbeiten. „Aber es muss politisch korrekt sein“, hört man oft. Gute Satire, eine Pointe, spielt aber damit, manchmal nicht politisch korrekt zu sein. Politische Korrektheit würde die gesamte Satire in Frage stellen. Beliebigkeit und Langeweile wären das Ergebnis. Humor darf alles – darf er das? Ich denke ja, und überall. Mit oben beschriebener kleinen Einschränkung – jemanden wegen einer Pointe verletzen, das darf und soll nicht sein. Auch und erst recht nicht im öffentlich rechtlichen Radio. Schwierige Themen lassen sich vor allem mit Humor gut transportieren. Woody Allen hat recht, wenn er sagt: „Tragödie plus Zeit ist Comedy.“ Gute Comedy bringt uns zum Lachen UND zum Nachdenken. Eine gute Comedy muss aber natürlich nicht immer einer Tragödie nacheilen. Wir leben von Klischees, von Beobachtungen, von menschlichen Entwicklungen, von Alltagssituationen und, und, und … Manchmal ist es sogar umgekehrt. Unser Bildungssystem ist vielleicht „nur“ eine mittlere Katastrophe, aber wir versuchen mit Humor darauf aufmerksam zu machen, dass es vielleicht eine Tragödie werden konnte. Das gehört verbreitet! Ist nahezu ein öffentlich-rechtlicher Auftrag :) Das ist so ein schönes Thema, da konnte man Stunden diskutieren. Bei Grenzen geht es darum, wer der Empfänger der Pointe ist. Manche Pointen sind hart, aber fair. Dann ist es für mich ok.

Der Autor
Gernot Kulis ist auf Ö3 als Ö3-Callboy, Professor Kaiser und mit seinem Comedy-Wochenrückblick
zu hören. Mit seiner Stand-up-Comedy „Kulisionen“, seinem ersten Live-Programm, steht Kulis auf den Bühnen Österreichs.




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© ORF
Studie 2013: "Unterhaltung als öffentlich-rechtlicher Auftrag
Prof. Dr. Gabriele Siegert, Dr. M. Bjørn von Rimscha, Mag. Christoph Sommer - Universität Zürich
Unterhaltung als öffentlich-rechtlicher Auftrag., Univ.Prof.in Dr.in Gabriele Siegert, Dr. Bjørn von Rimscha, Christoph Sommer, Universität Zürich abspielen
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Univ.Prof.in Dr.in Gabriele Siegert, Dr. Bjørn von Rimscha, Christoph Sommer, Universität Zürich
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Unterhaltung und öffentlich-rechtliche Medien im digitalen Medienzeitalter, Univ.-Prof. Dr. Holger Schramm, Universität Würzburg abspielen
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Wie sieht "kindgerechte" Unterhaltung aus?, Univ.-Prof.in Dr.in Ingrid Paus-Hasebrink, Universität Salzburg abspielen
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Texte 12 - Unterhaltung als öffentlich-rechtliche Auftrag, u.a. mit Beiträgen von Gabriele Siegert, Louis Bosshart und Holger Schramm abspielen
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Unterhaltung als Teil des Ganzen, Thomas Schreiber, NDR abspielen
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Thomas Schreiber, NDR
Unterhaltung am Morgen, Gernot Kulis, Ö3 abspielen
Unterhaltung am Morgen
Gernot Kulis, Ö3
Die Dreharbeiten zu Ludwig II, Seitenblicke abspielen
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Seitenblicke
Die österreichische Seele, Herbert Fechter, Produzent von TV- und Bühnenshows, Künstlermanager abspielen
Die österreichische Seele
Herbert Fechter, Produzent von TV- und Bühnenshows, Künstlermanager
Plattformen schaffen, Rudi Dolezal, Geschäftsführer DORO abspielen
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Rudi Dolezal, Geschäftsführer DORO
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Musik und Humor
Peter Hofbauer, Direktor Metropol Theater/Wien
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Christoph Grissemann/Dirk Stermann, Willkommen Österreich
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Qualitative Unterhaltung
Edgar Böhm, Familie und Unterhaltung
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MedienKunst Unterhaltung
Anmerkungen zum Faktor Unterhaltung in Medien und Kunst
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Tag für Tag
Hosea Ratschiller, FM4 Ombudsmann
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Servus, Srecno, Ciao
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