DE | EN
DE | EN
© ORF

Drei Vorschläge zur Transformation

Dr. Helga Schwarzwald, Geschäftsführerin Verband Freier Rundfunk Österreich


First things first: Auch in der Digitalisierung ist der Inhalt zentral – erst recht, wenn er von ausgezeichneten Journalist_innen kommt, gut recherchiert und faktenbasiert ist. Zu dessen großer Bedeutung in einer Krise der Demokratie hätte ich gerne Roger de Weck aus einer Ö1-Sendung vom 18. Jänner zitiert. Aber dann waren leider die 7 Tage vorbei und ich konnte diesen mit öffentlichen Geldern produzierten, noch für lange Zeit informativen Inhalt nicht mehr hören.
Damit bin ich bei einer 1. Maßnahme: die 7-Tage-Regelung muss weg. Es ist sicher auch mehr Beweglichkeit in sozialen Netzwerken notwendig, um Publika zu begegnen und dem ORF reale Chancen im Digitalen einzuräumen. Gerade originäre Inhalte des ORF, bei denen die urheber- und verwertungsrechtliche Situation relativ einfach ist, sollten zeitlich unbegrenzt zugänglich sein und breit zirkulieren können. Hierzu ist es notwendig, die traditionell erscheinende aber rechtshistorisch recht jungen urheberrechtlichen Handhabungen grundlegend zu überdenken und jedenfalls Experimente zu wagen.
Damit bin ich bei meinem 2. Vorschlag: Wohlüberlegt könnten Informationsbeiträge mit offenen Lizenzen versehen und gezielt die Kooperation etwa mit Wikimedia und anderen an der Schaffung von Public Value orientierten Playern wie den Community Medien gesucht werden. So können alle Informations- und Wissensanbieter jenen Menschen Inhalte näherbringen, die über traditionelle Wege wie TV oder Radio nicht mehr erreichbar sind oder aus anderen Gründen noch nicht erreicht werden konnten. Menschen haben so die Möglichkeit, die derzeit starke Marke ORF kennenzulernen und diese auch weiterhin als eine Art journalistisches Gütesiegel zu begreifen.
Anschließend an diese – gemessen an den Herausforderungen – winzigen Vorschläge, möchte ich noch in Referenz zu Wolfgang Blau damit schließen, dass wir uns nicht länger mit den Kurzzeit-Effekten dieser digitalen Transformation aufhalten dürfen. Unsere ganze Energie muss in das bestmögliche Antizipieren der Langzeit-Effekte fließen und dabei können wir nicht groß genug denken. Und so lautet der 3. Vorschlag: eine von enormer visionärer Kompetenz geprägte gesetzgeberische Weichenstellung auf europäischer Ebene für die digitale Transformation von Medien als demokratische Infrastruktur.