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Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten und Informationen aus Österreich, Europa und der Welt zu aktuellen Entwicklungen unter anderem in den Bereichen »Public Value«, »öffentlich-rechtliche Medien«, sowie »Qualitätsjournalismus«.
 
2018-08-08

Wie Streaming-Dienste mit Werbung umgehen

Warum leuchtet uns bei Netflix-Serien häufig das bekannte Apfel-Zeichen entgegen, wenn die Charaktere in diversen Szenen auf ihren Laptops herumtippen und warum wird dieses Zeichen bei vielen öffentlich-rechtlichen Produktionen zugeklebt? Über den Einsatz von Produktplatzierungen in Filmen und Serien.

Auf den ersten Blick ist das Angebot von Streaming-Diensten, wie Netflix oder Amazon vielversprechend: Mit einem monatlichen Entgelt hat man als Nutzer/in Zugriff auf eine Reihe von Serien, Filmen und Dokumentationen - und das ohne Werbeunterbrechung. Doch sind zum Beispiel von Netflix produzierte Serien alles andere als werbefrei.

So berichtet Philipp Walulis in der aktuellen Ausgabe der von "funk"(Content-Netzwerk von ARD/ZDF) produzierten Webserie "Walulis", wie insbesondere Netflix Produktplatzierungen umfangreich und gezielt einsetzt, um seine Originalserien zu produzieren. Laut Walulis arbeitet Netflix, dabei mit der Firma BEN (Branded Entertainment Network) zusammen, die sich auf Produktplatzierungen bzw. auf "Brand Integration", also auf Markenintegration spezialisiert hat.

Gerade bei der Markenintegration verspricht BEN auf seiner Website, dass eine Marke durch die Integration in eine Story, 100 Prozent mehr Sichtbarkeit habe, sowie der deren Wiedererkennungswert um 35 Prozent steige, als dies bei traditioneller Werbung der Fall wäre.

Wenn in Serien wie "Orange is the New Black" die Hauptdarsteller/innen in Donuts eines bestimmten Herstellers beißen und diese Donuts Teil der Geschichte werden, dann ist das kein Zufall, sondern bereits lange im Voraus geplant. Denn wie Walulis berichtet, werden Erzählstränge von Serien und Filmen zum Teil auf gewisse Produkte zugeschnitten. Dies funktioniere über eine Plattform von BEN, die als Schnittstelle zwischen Produzenten und Werbetreibenden fungiere. Darüber könnten Hersteller bereits geplante Serienproduktionen einsehen und nach ihren Wünschen durchsuchen und dann ein Angebot abgeben. Diese Auswahl würde etwa zwei Jahre vor Ausstrahlung einer Serie stattfinden.

Ende April gab BEN bekannt, 2018 rund 6.000 Markenintegrationen mit einem Marktwert von über 1,2 Milliarden Dollar und damit einen Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zu 2017 erreichen zu wollen. Das allein zeigt schon, welches Potential für den Werbemarkt in dieser Art von Marketing steckt. Um zielgerichtet werben zu können, werden laut Walulis auch die Nutzer/innendaten ausgewertet.

Im fiktionalen Unterhaltungssektor scheint damit der Trend zur Kommerzialisierung eine neue Ebene zu erreichen. Denn wo früher bei lästiger Werbung im TV einfach das Programm gewechselt, oder Online ein Ad-Blocker installiert wurde, ist bei dieser neuen Art von Produktplatzierungen bzw. Markenintegration, wie sie BEN vermarktet, die Werbung nicht eindeutig als solche erkennbar.

Zu fragen ist: Wird Unterhaltung ohne Werbung überhaupt noch auskommen? Und was bedeutet das für die Gesellschaft, wenn zukünftig nur mehr Filme und Serien produziert werden, die der Werbemarkt für relevant empfindet? In einer Gesellschaft, die zunehmend fast ausschließlich über die Medien erfahrbar ist, stellen auch Unterhaltungsformate, darunter Filme und Serien, ein mächtiges Instrument dar, um die heutigen Lebensrealitäten darzustellen und abzubilden. Bei der Produktplatzierung, wie BEN sie betreibt, sollen Waren und Dienstleistungen authentisch in unsere Lebenswelt integriert werden. Doch ab wann manipuliert Werbung diese Lebenswelt?

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es klare Regelungen: Beim ORF dürfen Produktplatzierungen in Serien- oder Filmproduktionen, die vom ORF selbst oder durch mit ihm verbundene Firmen produziert oder in Auftrag gegeben wurden, nur bei eindeutiger Kennzeichnung vorkommen, und nur in einer Form, in der die redaktionelle Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht sind Sendungen, die keine Eigen- oder Auftragsproduktionen darstellen und bei denen keine Kenntnis über Produktplatzierungen herrscht.

Auch die EU regelt Produktplatzierungen: Grundsätzlich sind diese laut der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (RICHTLINIE 2010/13/EU) untersagt (Art. 11, Abs. 2). Ausnahmen stellen Kinofilme, Filme, Serien etc. und Sendungen leichter Unterhaltung dar, wenn dafür kein Entgelt gezahlt wurde, sondern "Waren und Dienstleistungen wie Produktionshilfen und Preise im Hinblick auf ihre Einbeziehung in eine Sendung bereitgestellt wurden." (Art. 11, Abs. 3b). Sendungen, die im Rahmen dessen, Produktplatzierungen beinhalten, müssen nicht nur gekennzeichnet sein, sondern müssen unter anderem die Anforderung erfüllen, dass das Produkt "nicht zu stark herausgestellt" wird. (Art. 11c). Gerade auch bei diesen Punkten, dürfte die Art und Weise wie Produkte bei einigen Netflix-Produktionen in die Handlung integriert werden, mehr als fragwürdig sein.

Links:
https://www.funk.net/channel/walulis/geheime-werbung-auf-netflix-die-perfiden-product-placements-bei-netflix-originals-walulyse

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32010L0013&qid=1533647359335&from=DE

https://ben.productplacement.com/

https://ben.productplacement.com/Branded+Entertainment+Network+Announces+Record+Revenue+and+a+Host+of+New+Clients

ORF-G (Artikel 16 Produktplatzierungen)

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2018-08-03

DR, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Dänemark, ist voraussichtlich ab Herbst dazu gezwungen eine erhebliche Zahl seiner Mitarbeiter/innen zu entlassen. Grund dafür sind die, von der Regierung im Rahmen einer Medienreform beschlossenen, Budgetkürzungen von 20 Prozent.

DR ist für seine journalistische Qualität oder durch seine erfolgreichen politischen Dramaserien (z.B. "Borgen) auch international bekannt.

Mit Berufung auf einen DR-Mitarbeiter, der anonym beleiben will, berichtet das Non-Profit-Portal "index", dass ab Oktober rund 600-700 Stellen gestrichen werden könnten.

Henrik Friis Vilmar, DRs ranghöchste Gewerkschaftsvertreter, betonte in einem offenen Brief an seinen Kollegen, wie wichtig es in Zeiten von Fake News und Troll-Fabriken sei, dass es kritische Medien in Dänemark gibt. DR hat als öffentlich-rechtlicher Rundfunk sowohl die Fähigkeit, als auch die Aufgabe für die Gesellschaft, kritischen Journalismus zu betreiben. Doch warnt Vilmar davor, dass diese Fähigkeit nun ernsthaft in Gefahr gerate.

Angetrieben wurden die Kürzungen vor allem von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF). Die Regierung argumentiert unter anderem, dass durch die Kürzunge dänische Steuerzahler/innen entlastet würden.

More:
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2018-07-18

Der Rundfunkbeitrag in Deutschland ist im Wesentlichen mit dem Grundgesetz vereinbar. Eine Neuregelung muss bis 2020 für Personen mit zwei Wohnsitzen getoffen werden, da diese bisher zu stark benachteiligt würden. Das hat das deutsche Bundesverfassungsgericht mit seinem am Mittwoch verkündeten Urteil entschieden.


Von privaten Haushalten und Unternehmen ist derzeit ein monatlicher Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro zu entrichten. Seit 2013 richtet sich der Rundfunkbeitrag nicht mehr nach der Anzahl und Art der Empfangsgeräte, sondern wird pro Haushalt behoben - unabhängig davon wieviele Personen in einem Haushalt leben und ob überhaupt ein Radio oder Fernseher vorhanden ist. Mit der Neuregelung wurde u.a. auf die veränderten Nutzungsbedigungen reagiert, da immer mehr Menschen die öffentlich-rechtlichen Inhalte über das Internet nutzen.

Mehr:

https://www.welt.de/politik/article179534246/Bundesverfassungsgericht-Rundfunkbeitrag-im-Wesentlichen-verfassungsgemaess.html?wtrid=socialmedia.email.sharebutton

https://www.zeit.de/kultur/film/2018-07/rundfunkbeitrag-ist-im-wesentlichen-verfassungskonform

https://www.tagesschau.de/inland/rundfunkbeitrag-bunderverfassungsgericht-103.html

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2018-07-06

Einen Monat nach Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in der Europäischen Union hat der Europäische Verbraucherverband BEUC gemeinsam mit der Universität Florenz eine Untersuchung vorgestellt, in der Künstliche Intelligenz als mögliches Mittel zur Lokalisierung von Verstöße gegen die Datenschutzrichtlinien vorgestellt wird.

Dazu hat das Forscherteam die Datenschutzrichtlinien von 14 Internetkonzernen und mit den Europäischen Datenschutzrichtlinien verglichen und auf Grundlage der Analyse eine Künstliche Intelligenz namens "Claudette" entwickelt die bereits Verstöße gegen die DSGVO u.a. durch Google, Facebook und Amazone orten konnte. Claudette könnte damit den EU-Behörden die Umsetzung der DSGVO erleichtern.

Mehr:
http://www.beuc.eu/publications/research-suggests-privacy-policies-leading-online-companies-do-not-fully-respect-gdpr/html

https://www.gamestar.de/artikel/datenschutz-kuenstliche-intelligenz-entdeckt-verstoesse-gegen-dsgvo,3331981.html

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2018-06-29


"Technical Assistance to Public Service Media in the Western Balkans" heißt das EU-Projekt, das am Dienstag mit einer zweitägigen Auftaktkonferenz startete.

Hauptziel ist es die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medienhäuser in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, FYR Mazedonien, Montenegro und Serbien zu stärken und ihr öffentlich-rechtliches Profil zu schärfen.

Dabei sollen erstens geeignete Maßnahmen für verbesserte Finanzierungsmodelle erarbeitet werden. Zweitens sollen journalistische Standards und Leitlinien definiert und implementiert werden. Drittens soll der regionale Austausch unter anderem im Bereich des investigativen Journalismus gefördert und eine gemeinsame digitalisierte Archivplattform entwickelt werden.

Die EU fördert dieses Projekt, das für zwei Jahre angesetzt ist, mit rund 1,5 Millionen Euro und erhofft sich durch die Stärkung der öffentlich-rechtlichen Medien auch einen Fortschritt bei der Demokratisierung dieser Länder, wie Karl Giancinti, Projektleiter von der Europäischen Kommission, in seiner Rede hervorhob.

An der Konferenz nahmen rund 60 Personen teil, darunter Vertreter/innen internationaler Organisationen, hochrangige Beamt/innen, politische Entscheidungsträger/innen sowie Vertreter/innen von Rundfunkregulierungsbehörden aus den betreffenden Staaten.

Das Projekt wird vom Internationalen Journalistenverband (IFJ), gemeinsam mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU), dem Europäischen Journalistenverband (EJF), dem "Balkan Investigative Reporting Network" (BIRN), dem "Eurovision Regional News Exchange for South East Europe" (ERNO) und dem österreichischen Rundfunk (ORF) durchgeführt.


Mehr:
http://europeanjournalists.org/blog/2018/06/27/new-project-to-reform-public-service-media-in-the-western-balkans-kicked-off-in-albania/

https://www.ebu.ch/news/2018/06/western-balkan-psm-sign-mou-for-future-cooperation

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Public Value Bericht 2017/18 »Der UNTERSCHIED«
Warum macht der ORF mehr als einen Unterschied?
Der Public-Value-Report 2017/18 gibt Antworten: 55 Stimmen aus dem ORF, sowie Beiträge von Expert/innen zur öffentlich-rechtlichen Medienqualität.

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Public Value Bericht 2017/18 »Das Handbuch«
Der ORF macht mehr als einen Unterschied. 55 Cent erhält der ORF pro Tag und Betragszahler/in. 55 Qualitätsunterschiede dokumentieren, wofür der ORF dieses Geld verwendet, was der ORF leitet und wie er Ihnen nutzt. Nachzulesen im Public Value Handbuch 2017/18.




#Next Generation
Die Videoreihe „Next Generation“ ergänzt die Aussagen der ORF-Mitarbeiter/innen zu Medienqualität und -zukunft im Public Value Bericht 2016/17. Dazu hat das Public Value Kompetenzzentrum einige der jüngsten ORF-Mitarbeiter/innen gefragt, welche Erwartungen, Ansprüche und Forderungen sie an ein öffentlich-rechtliches Medium stellen – und wie Medienqualität im digitalen Europa produziert werden kann. Mehr dazu auf dieser Website.

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Das Geheimnis der Farben
Fünf Qualitätsdimensionen und insgesamt 18 Leistungskategorien definieren ORF Public Value: abgeleitet aus dem ORF-Gesetz, den ORF-Programmrichtlinien, den ORF-Leitlinien sowie den aktuellen Anforderungsbedingungen in Gesellschaft und Medienentwicklung. [mehr]



Public Value Bericht 2017/18