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Geschichte aus weiblicher Perspektive

Eva Roither, Ö1

Transkription
„Ein Ö1-Hörbild ist letztes Jahr mit dem internationalen renommierten Prix Europa für die beste europäische Radio Dokumentation 2011 ausgezeichnet worden. Der Titel: „Die Herrinnen – Szenen einer Zweckgemeinschaft“. Über mehrere Jahre habe ich gemeinsam mit dem Tonmeister Martin Leitner zwei Frauen in Schloss Längenfeld in Niederösterreich besucht, die dort schon über 30 Jahre in einer Zweckgemeinschaft miteinander leben. Die Schlossherrin ist Christa Hauer-Frohmann. Sie ist Malerin und sie ist die Gründerin der legendären Galerie im Griechenbeisl. Geboren ist sie 1925. Maria Moser, die Wirtschafterin des Schlosses, ist 1920 geboren und im Waldviertel aufgewachsen. Was erfahren die Hörerinnen und Hörer in dieser Dokumentation? Einen Ausschnitt österreichischer Geschichte aus weiblicher Perspektive. Einen Ausschnitt der ohne diese Sendung vielleicht in Vergessenheit geraten würde. In den Erzählungen Christa Hauer-Frohmanns, die in ihrem Leben zu allen wichtigen kulturpolitischen Themen Stellung genommen hat, spiegelt sich ein ganzes Jahrhundert Kultur- und Kunstgeschichte. Maria Moser wiederum berichtet von ihrem harten Leben als Magd, Hilfsarbeiterin und als Alleinerzieherin und sie erzählt auch von ihrem politischen Wechsel in der Kreisky-Ära von der sogenannten Bauernpartei, ÖVP, zur Arbeiterpartei, der SPÖ. Die Essenz des konfliktreichen Zusammenlebens der Herrinnen sollte in diesem Fall nicht über Gespräche sondern über Szenen erzählt werden. Szenen, in denen die beiden Frauen zu Mittag essen, Musik hören, miteinander lachen aber auch miteinander streiten. Solche Szenen aufzunehmen, das braucht viel Zeit und es verlangt auch einen respektvollen Umgang mit den Menschen, die der Journalistin Einblicke in ihre Privatsphäre gewähren. Dieser Respekt zeigt sich für mich unter anderem in der Aussparung. Schattenseiten sollen dargestellt, aber es soll nicht jedes vielleicht auch desavouierende Detail ausgestellt werden. In dem Hörbild wird eine spezifisch österreichische Kultur- und Sozialgeschichte erzählt. Im ganz spezifisch wienerischen Idiom von Christa Hauer-Frohmann und in dem sprühenden waldviertler Dialekt von Maria Moser, in deren Sprache eine bereits vergangene Welt mitschwingt. Und trotzdem hat die Dokumentation einen Identifikationswert der über Österreichs Grenzen hinausreicht. Zum Beispiel das mitunter schwierige Zusammenleben eines alten Paares, die gegenseitige Abhängigkeit oder eine im Verschwinden begriffene Welt, klar definierter Klassen, in der es Herren und Diener gibt. Wobei in diesem Fall nicht ganz klar ist wer nun wen beherrscht. Auch aus diesem Grund hat sich die Geschichte der beiden Herrinnen international vermittelt und wurde in fast allen europäischen Ländern vorgespielt.“




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Vorarlberg heute
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Public Value Bericht 2017/18