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19 800 Minuten

Claudia Dannhauser, Zeit im Bild

Transkription
In diesem Saal findet eine ganze Reihe von Ausschusssitzungen statt. Lokal sechs, so nennt sich dieser Raum im Parlament, ist der Ort, wo das Budget verhandelt wird oder wo wichtige EU-Themen erörtert werden und an sich wäre ein Großteil dieser Sitzungen auch Medien öffentlich. Doch es verirrt sich kaum ein Journalist hierher, außer es ist, wie in einem großen Teil des vergangenen Jahres, hier der Tagungsort für einen Untersuchungsausschuss. Von diesem Vorsitzsessel aus wurden an 52 Tagen 132 Zeugen befragt, 131 Stunden lang oder 19 800 Minuten. Der ORF war in jeder dieser Minuten dabei, wir gestalteten 651 Beiträge, die in der „Zeit im Bild“ und im „Hohen Haus“ zu sehen waren. Die Innenpolitikredaktion der „Zeit im Bild“ war auch dann dabei, wenn es einmal nicht so glamourös zuging, wenn nicht Karl-Heinz Grasser oder Ernst Strasser ins Blitzlichtgewitter drängten. Es sind nämlich oft die unscheinbaren Zeugen, die mehr Licht in Korruptionsfälle bringen können. Wenn auch, zugegebenermaßen, ein Alfons Mensdorff-Pouilly für größere Heiterkeit sorgte. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur umfassend zu berichten, sondern auch eine profunde Einordnung und eine ausgewogene Analyse abzugeben. Doch welche Schlüsse zogen die Politiker, die hier viele Monate auf diesen Sitzen der Korruptionsbewältigung und der Aufarbeitung von Korruption gewidmet haben? Einige und zwar mehr als dachte und das ist auch das bemerkenswerte an diesem Untersuchungsausschuss. Die Korruptionsbestimmungen wurden dadurch einschneidend verschärft und die Parteienförderung wurde nachhaltig geändert. Mittlerweile stehen etliche Zeugen aus dem Untersuchungsausschuss auch vor Gericht. Die öffentliche Aufarbeitung hier im Raum, die hat der Justiz, so sagen selbst die Staatsanwälte, durchaus geholfen und nicht sie behindert, wie manche Politiker behaupten. Wie erfolgreich diese Gerichte nun weiterarbeiten, auch darüber werden wir sie selbstverständlich wieder informieren.