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Zum Systemrisiko der Demokratie

Univ.-Prof. Dr. Kurt Imhof


Die Debatte über Systemrisiken ist so alt wie die moderne demokratische Gesellschaft und hat die Gestalt der Öffentlichkeits- oder Medienkritik. Diese Kritik ist ein Kind der Demokratisierung und begleitet und charakterisiert die Moderne genauso wie der Rechtsstaat, die Gewaltenteilung und die Bürger- und Menschenrechte. Kurz nacheinander entstehen mit den politischen Massenmedien im 19. Jahrhundert zwei Traditionen dieser kritischen Auseinandersetzung, die bis heute Geltung haben:

–    Zum einen die Kritik an der Überformung der Öffentlichkeit durch den Staat, der sich durch die Kontrolle der Öffentlichkeit dieser entziehen kann. Sie bildet auch den Kern aller Totalitarismustheorien.

–    Zum anderen die Kritik an der Privatisierung der Öffentlichkeit. Sie richtet sich von Anfang an gegen die Ökonomisierung der Medien durch organisierte Privatinteressen, die die öffentliche Meinung durch Definitionsmacht beeinflussen können und gegen die Durchdringung öffentlicher Kommunikation durch das Private.

Beides verweist darauf, dass sich die Öffentlichkeit, wie das die Aufklärung zu Recht vorsah, zwischen den Privatinteressen und dem Staat entfalten muss, um dem zu dienen, was alle etwas angehen muss. Dies setzt voraus, dass die Öffentlichkeit weder mit den Mitteln der Staatsgewalt erstickt noch durch Privatinteressen dominiert wird. Auch wenn sich diese beiden Auseinandersetzungen mit dem Systemrisiko der Demokratie dem weltanschaulichen Konflikt marktlicher versus staatlicher Regulation der sozialen Ordnung nicht entziehen konnten, ließen sie sich trotzdem nie simpel dem einen oder anderen Lager zuordnen. Dies allein schon deshalb, weil es für den Aufklärungsliberalismus nicht vorstellbar war, die Öffentlichkeit mit dem Privaten zu vermischen: Öffentliches Sprechen und Handeln ist dem Privaten gegenübergestellt; bürgerliche Privatheit ist der Oppositionsbegriff von Öffentlichkeit, die sich mit dem Allgemeinen beschäftigt, während das Partikuläre zur Privatheit gehört. Öffentlichkeit ist jedoch nicht nur das Gegenteil von Privatheit, sondern sie ist den staatlichen Gewalten übergeordnet. Nur durch diese Verortung der Öffentlichkeit kann sie die für die Demokratie unabdingbaren drei Funktionen des Entdeckungszusammenhangs einer vernünftig und dadurch allgemeinverbindlich zu begründenden sozialen Ordnung, der Kontrolle und Legitimation der staatlichen Gewalten und der Integration der Bürger als Souverän erfüllen. Nur da wo dies in der Geschichte der Moderne gelang, konnte sich die demokratische Ordnung im Nationalstaat realisieren.

Aktuelle Öffentlichkeitskritik

Die aktuelle Öffentlichkeits- und Medienkritik schreibt diese klassischen Auseinandersetzungen fort, um sie an die aktuellen Risiken, denen die Demokratie ausgesetzt ist, anzupassen. Dabei handelt es sich zum einen um politische Institutionen ohne
Öffentlichkeit und zum anderen um eine Kommerzialisierung des Medienwesens, die zu einer in der Geschichte der modernen Demokratie nie erreichten Privatisierung der Öffentlichkeit geführt hat.

1.    Politische Institutionen ohne Öffentlichkeit: Die Globalisierung hat vor allem seit den 1990er Jahren supranationale Machtzentren hervorgebracht, die sich im Unterschied zu den politischen Institutionen des Nationalstaats der öffentlichen Kritik weitgehend entziehen können, weil die medienvermittelten Öffentlichkeitsarenen nach wie vor nationalstaatlich begrenzt sind. Damit steht nicht die totalitäre Instrumentalisierung der Öffentlichkeit im Vordergrund, wie in langen Perioden des 20. Jahrhunderts, sondern dass die Öffentlichkeit wie die Demokratie der Globalisierung von Politik und Wirtschaft nicht nachgewachsen ist. Und innerhalb der föderalen Nationalstaaten orientieren sich die Öffentlichkeitsarenen an Ballungszentren und nicht mehr an den subsidiären politischen Geltungsräumen wie Bundesländer, Kantone oder Departemente und in der ausgeprägt föderalen Gesellschaften entbehren viele Gemeinden, ihrer dritten Ebene der Demokratie, sogar ganz der Öffentlichkeit (Zeitungssterben). In diesen Gemeinden ist die Demokratie in Agonie: Wenn die Öffentlichkeit fehlt, mangelt es nicht nur an Auseinandersetzungen über das Gemeinwesen, auch die Parteien schwinden, das Milizprinzip leidet, der Status der politischen Ämter wird entwertet und es lassen sich keine Bürgerinnen und Bürger mehr finden, diese zu übernehmen. Kurz: Weil ohne Öffentlichkeit keine demokratische Selbstregulierung möglich ist, macht diese Kritik auf die fatalen Folgen der Entschränkung von politischen Geltungsräumen und der medienvermittelten Öffentlichkeit aufmerksam.

2.    Kommerzialisierung des Medienwesens: Die Medien haben sich von ihren herkömmlichen Trägern, den Parteien, Verbänden, Kirchen und den sozial eingebetteten Verlegerfamilien in Stadt und Land fast vollständig gelöst und seit der Teilung des Rundfunks in öffentlich-rechtliche und private Radio- und TV-Betreiber (Dualisierung) in den 1980er Jahren bilden sie ein weitgehend markt- bzw. reichweitenabhängiges Teilsystem, das sich am Medienkonsumenten und nicht mehr am Staatsbürger orientiert. Die Verortung der Öffentlichkeit zwischen Privatheit und Staatlichkeit ist aus der Balance geraten. Insbesondere durch die damit verbundene Veränderung der öffentlichen Kommunikation haben sich die Diskussionen über die Medienqualität in jüngster Zeit intensiviert. Die Kommerzialisierung und der damit einhergehende Konzentrationsprozess führten zu einer Reduktion der Medienvielfalt und zu einer Durchdringung der Medieninhalte mit dem, was intensive Beachtung findet und mit wenig Aufwand produziert und in möglichst viele Kanäle abgefüllt werden kann. Dieser Verlust an äußerer (Konzentration) und innerer Medienvielfalt (Angleichung der Inhalte) spiegelt sich in der Nachrichtenauswahl, den Interpretationen und den Darstellungen. Durch die Krise des Medienwesens verschärft sich diese Entwicklung. Das primäre Geschäftsmodell der Informationsmedien im Wettbewerb um Medienkonsumenten, mit Werbung redaktionelle Inhalte zu finanzieren, funktioniert immer weniger, ohne dass die Onlineportale die Ausfallbürgschaft antreten könnten. Die Werbung wie ein Teil der Inhalte wird durch branchenfremde Akteure (Suchmaschinen, Telekommunternehmen und das Social Web) abgezogen und der Wettbewerb ist durch Gratisangebote im Internet und durch Pendlerzeitungen sowohl hinsichtlich der notwendigen Rendite wie der Qualität der Informationsvermittlung dysfunktional geworden. Auf Seiten der Medienkonsumenten wurde durch die Gratiskultur auch noch das Preisbewusstsein für Journalismus zerstört.

Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit

Beide Entwicklungen beeinflussen die Demokratie: Im Dreieck von Medien, Politik und der Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger regulieren sich demokratische Gesellschaften. Im Modus aktivierter Öffentlichkeit, d. h. bei intensiven Problematisierungen in der Medienarena, entsteht Definitionsmacht, die Druck auf das politische System ausübt. Wenn dieser Druck genügend groß ist, muss sich die Politik dem Problem annehmen und die in der öffentlichen Kommunikation entstandene Definitionsmacht verwandelt sich im Parlament in Entscheidungsmacht, die auf allgemeinen Wahlen gründet. Die Politik reguliert dann in der Sprache des Rechts und mittels administrativer Macht. Diese Verwandlung von Definitionsmacht in Entscheidungsmacht und in administrative Macht bildet den aktiven Regelkreis demokratischer Regulierung bei intensiven Problematisierungen. Im Modus passiver Öffentlichkeit, d. h. in der einfachen Beobachtung der staatlichen Institutionen, kommt der medienvermittelten Öffentlichkeit eine Kontroll- und Legitimationsfunktion zu. In dieser Abfolge passiver und aktiver Öffentlichkeit vollziehen sich fortlaufend die Integration der Gesellschaft und die Praxis demokratischer Regulierung.

Der jüngste Wandel der Öffentlichkeit beeinflusst diese Regelkreise demokratischer Selbstregulierung in zweifacher Hinsicht:

–    Auf der einen Seite haben wir es durch die Entgrenzung der Politik in Gestalt supranationaler Entscheidungszentren mit Verlusten demokratischer Regulierung zu tun. Die Öffentlichkeit ist der Globalisierung nicht nachgewachsen. Im Gegenteil: In den Medien hat das städtisch Lokale in den Ballungszentren an Bedeutung gewonnen, während die außenpolitische Berichterstattung schwindet.

–    Auf der anderen Seite hat sich das Verhältnis zwischen Medien und Politik durch die Ausbildung eines marktabhängigen Mediensystems verändert. Indem die Medien den Staatsbürger durch den Medienkonsumenten ersetzen, verwandelten sich die medialen Aufmerksamkeitslandschaften unter dem Druck der Kosten und der Nachfrageoptimierung. Die Politik wie alle anderen Teilbereiche der Gesellschaft müssen sich den neuen Medienlogiken anpassen. Dieser neue Strukturwandel der Öffentlichkeit zeitigt bemerkenswerte Effekte:


–    Auf der Ebene der Medienorganisationen haben wir es mit dem Abbau von Ressorts und damit von Spezialwissen über die wesentlichen Teilbereiche der Gesellschaft zu tun. Außerdem fällt die Abfüllung derselben Inhalte in verschiedene einst eigenständige und stolze Titel genauso auf wie der Zusammenzug unabhängiger Redaktionen in News-Rooms für alle möglichen Titel, der Abbau der Korrespondentennetze und die Flutung der Newsbedürfnisses durch Gratismedien.

–    Bezüglich der Medieninhalte sind eine zunehmende Personalisierung, Privatisierung, Konfliktstilisierung und Skandalisierung der Berichterstattung zu konstatieren, außerdem die Elimination von publizistischen Auseinandersetzungen um die Bedeutung und Bewertung von Ereignissen, ein Aufmerksamkeitsverlust gegenüber den Parlamenten zu Gunsten der nachrichtenwerthaltigeren Exekutiven und eine Anpassung der politischen Akteure an die neuen Medienlogiken. Gesamthaft hat sich die Form der medienvermittelten Kommunikation von einer Berichterstattung basierend auf Sachverhaltsdarstellungen und normativen Ableitungen zu einem moralisch-emotional aufgeladenen Newswettbewerb verschoben.

–    Freilich betrifft dies nicht alle Informationsmedien gleichermaßen. Die Medien haben sich der sozialstrukturellen Schichtung der Gesellschaft und an Altersgruppen angepasst und beliefern ihre Zielgruppen mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitslandschaften auf der Basis von Bildungsabschlüssen, Kaufkraft, Generationen, Geschlecht und Herkunft (Herkunftsmedien für Migrationsgruppen). Medien für niedrige Bildungs- und Einkommensschichten und für jüngere Alterskohorten betreiben einen Informationsjournalismus, in dem sich die Welt in Human Interest auflöst. Die Welt außerhalb der Nationalstaaten erscheint als Kette von Krisen, Katastrophen, Kriegen und Affären und in der Innenpolitik wird die Agenda durch Empörungsbewirtschaftung dominiert.

–    Diese neuen Spielregeln des Kampfes um Aufmerksamkeit haben sich auf die Politik übertragen. Die Empörungsbewirtschaftung der Boulevard- und Gratismedien im Print, Radio und Fernsehen und vieler Onlineportale prägt die Handlungslogiken beider Systeme: Politik wie medienvermittelte Kommunikation treten sich in empörungsträchtigen Events und Kampagnen, die Aufmerksamkeit für das politische Personal wie für die Medien sichern.

–    Die neuen Resonanzchancen verändern das Ensemble der politisch relevanten Akteure: Insbesondere in denjenigen nationalen Medienarenen, in denen in kurzer Zeit die Medienqualität rasch erodiert ist und die Gratiskultur floriert wie etwa in Holland, der Schweiz und in Österreich, oder schon gar keine Medien mit Qualitätsanspruch aufgebaut werden konnten, wie in den Transformationsländern Osteuropas, feiern populistische radikale Bewegungen und Parteien gewaltige Wahlerfolge. Und in Italien, in dem die Qualitätspresse ohnehin schwach ist, hat die Politik das Format des Reality-TV angenommen. Der politische Populismus wird durch den Medienpopulismus beflügelt, populistische Akteure erzielen über ihre medienwirksamen Aktionsformen wesentlich bessere Resonanz als die traditionellen Volksparteien.

–    Die Wirtschaftsberichterstattung hat sich der politischen Berichterstattung angepasst, betreibt gegenüber dem Spitzenpersonal ein rasendes Karussell von personalisiertem Reputationsaufbau und -zerstörung, feiert Branchen- und Firmenhypes im Rhythmus von Viertels Jahresabschlüssen und befördert insgesamt eine Volatilität der Ökonomie auf Kosten der Reflexion ökonomischen Handelns.

–    Auf Seiten der Journalisten zeigt sich deutliches Unbehagen gegenüber ihrer Berufssituation. Gemäß einer Umfrage von 2009 in der Schweiz betrifft das ausgerechnet diejenigen Journalisten am deutlichsten, die die größte Berufserfahrung haben und in den arrivierten Medien arbeiten. Gleichzeitig hat sich der Berufsstatus entwertet: Den Journalisten droht die Gefahr, die Akzeptanz als professionelle Experten der Informationsvermittlung zu verlieren, der Nachwuchs interessiert sich mehr für PR und Marketing statt für Journalismus. Immer mehr arrivierte Journalisten wechseln die Seiten, flüchten in das PR-Business und verschieben das ohnehin schon asymmetrische Verhältnis zwischen unabhängigen und abhängigen Informationsvermittlern weiter.

–    Hinsichtlich des Publikums ist ein Vertrauensverlust in die Medien zu konstatieren und gleichzeitig ist diesem die Einsicht, dass insbesondere guter Journalismus teuer ist, verloren gegangen. Dem Publikum fehlt weitgehend die Möglichkeit, die Qualitätsunterschiede der Medien selbst zu prüfen. Medien sind tägliche Gewohnheitsgüter, und der Vergleich verschiedener Angebote übersteigt das Zeitbudget. Darüber hinaus entzieht sich der Wandel der Medieninhalte über die Zeit noch mehr dem Vergleich. Allein schon dadurch prägt das Angebot die Erwartungen. Diese Prägung findet auch deshalb statt, weil wir als Medienkonsumenten außerhalb unserer persönlichen Erfahrung die Wahrnehmung der Welt über die Medien nicht durch eine andere Wahrnehmung ersetzen können. Weil wir keine andere Möglichkeit haben, die Welt zu beobachten, wissen wir nicht, ob sich diese verändert oder bloß die medienvermittelte Kommunikation über sie. Die Medien färben uns mit ihrer Auswahl, Interpretation und Darstellung die Welt ein und beeinflussen unsere Aufmerksamkeit und unsere Erwartungen. Medien sind deshalb auch Vertrauensgüter. Der Medienkonsument muss sich darauf verlassen können, dass er vielfältig, objektiv und ausgewogen über Relevantes informiert wird, damit er sich auch als Bürger an der Gesellschaft beteiligen kann. Nun werden solche Veränderungen in den Medien durch die journalistische Medienkritik kaum mehr reflektiert. Der Medienjournalismus wird unter dem Kostendruck abgebaut, und da wo er noch besteht, muss er die durch den Konzentrationsprozess immer breiteren Angebote des eigenen Verlags schonen.

Was tun?

Das Erste ist noch vergleichsweise einfach, denn es handelt sich um bloßen Common Sense in der Tradition der Aufklärung: Wenn den Demokraten die Demokratie lieb ist, dann gilt es die nun 15-jährige Fama von der Cyberdemokratie endlich zu begraben. Moderne Gesellschaften lassen sich weder in twitternde Gemeinschaften auflösen noch über Statusbotschaften an »Friends« oder über die thematisch geschachtelten Communities des Social Web regulieren. Öffentliche Kommunikation löst sich auch nicht in Blogs auf. Wir leben nicht in Gemeinschaften, sondern in Gesellschaften wechselseitig anonymer Bürgerinnen und Bürger. Die Mutation der Moderne zu einer Organisationsform fluider Stämme wäre kein zivilisatorischer Fortschritt, zumal eine solche soziale Ordnung nicht nur nicht in der Lage wäre das Internet am Laufen zu halten, sondern auch auf den ganzen Rest gesellschaftlicher Infrastrukturen verzichten müsste. Gesellschaften brauchen eine Öffentlichkeit, bestehend aus Informationsmedien, die gleichgültig ihrer Vermittlungsform ob terrestrisch, über Satelliten, auf Papier oder über das Internet als Entdeckungszusammenhang für relevante und demokratisch zu lösende Probleme dienen. Gesellschaften haben kein anderes Entdeckungsverfahren für das, was alle etwas angeht, und die Mitglieder der Gesellschaft müssen wissen, dass die Informationen, die sie aus solchen Informationsmedien beziehen, durch eine professionelle Expertenkultur auf ihre Validität geprüft und deshalb vertrauenswürdig sind.


Jetzt wird es schwieriger, denn es handelt sich um Common Sense in der Tradition der Aufklärung und um notwendige Maßnahmen: Wenn den Demokraten die Demokratie lieb ist, dann gilt es den wichtigsten Service Public liberaler Rechtsstaaten, einen guten Informationsjournalismus zu retten, denn er ist am Sterben. Der Weltanschauungsjournalismus, der die Publizistik nicht als Gewerbe betrachtete, ist schon tot und die daraus folgende kurzlebige Ära gesellschaftsweit funktionierender Geschäftsmodelle, die es erlaubten, durch die Verknüpfung von redaktionellen Inhalten mit Werbung Gewinne zu machen, geht ebenso unwiederbringlich zu Ende. Als Gedankenexperiment reicht schon die Vorstellung einer Welt ohne die Internationale der Qualitätsmedien und die Imagination, wie Nationalstaaten von außen wahrgenommen würden, wenn Zeitungen wie die New York Times, die Washington Post, The Guardian, Le Monde, die FAZ, die Süddeutsche, die Zeit und die NZZ etc. eingehen und wenn Österreich auch noch den Standard verliert und sich der Krone ausliefert. Und dabei stellen wir uns noch nicht mal vor, wie es denn wäre, wenn die real existierenden öffentlich-rechtlichen Medien ihre Informationsvermittlung weiter dem Qualitätsniveau, sagen wir Berlusconis Canale 5, annähern und wenn auch noch die restlichen regionalen Abonnementszeitungen das Zeitliche segnen. Das gefährlichste Systemrisiko ist die uninformierte Demokratie. Um diesem zu begegnen, sind drei Maßnahmen unabdingbar:

Erstens: Die Demokratie braucht ein Grundangebot öffentlich-rechtlicher Medien, gleichgültig, was ihre Vermittlungsformen sind. Diese Medien werden mitfinanziert durch unabhängige Stiftungen, in denen öffentliche und zivilgesellschaftliche Mittel einen guten Informationsjournalismus sichern. Zweitens gilt es die gut begründete Forderung von einem Konsumentenschutz für die fantasievoll destruktiven Angebote der Finanzindustrie zu ergänzen durch eine unabhängige Qualitätsbeurteilung der Informationsmedien, die es dem Medienkonsumenten als Bürger erlaubt, Unterschiede wahrzunehmen und gleichzeitig diese Informationsmedien animiert, sich diesseits oder aber jenseits von Minimalstandards zu positionieren. Und drittens schließlich müssen wir mit der Medienkompetenz an den Schulen Ernst machen. Dabei steht keineswegs nur zur Debatte, wie kompetent Kinder und Jugendliche durch Gewaltdarstellungen und Pornografie im WWW surfen, sondern welche  Aufmerksamkeitslandschaften durch welche Informationsmedien vermittelt werden. Gesellschaften, die ihren Nachwuchs über Softnews sozialisieren, verschieben weit mehr Probleme als nur Schulden auf die kommenden Generationen.

Und zum Schluss wird es ganz schwierig, dem ein Common Sense in der Tradition der Aufklärung erfordert einen erweiterten Souverän im Zeitalter der Globalisierung: Wenn den Demokraten die Demokratie lieb ist, dann gilt es die Demokratie über den Nationalstaat hinauszuführen. Dadurch wird dieser keineswegs ersetzt, aber er wird ergänzt durch transnationale Plebiszite und ebensolche politische Auseinandersetzungen in einer dadurch erweiterten Öffentlichkeit.





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